Agoraphobie und Platzangst: Wenn eine Angststörung den Alltag bestimmt

Enge Räume, volle Plätze, öffentliche Verkehrsmittel – für Menschen mit Agoraphobie werden ganz gewöhnliche Situationen zur Belastungsprobe. Was von außen oft als übertriebene Vorsicht missverstanden wird, ist in Wirklichkeit eine ernst zu nehmende Form der Angst, die den Bewegungsradius immer weiter einschränken kann. Viele Betroffene ziehen sich zurück, sagen Termine ab oder meiden bestimmte Orte ganz, ohne dass ihr Umfeld den wahren Grund kennt. Genau hier setzt die Arbeit von Psychotherapeut Bernd Thell an: Mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Angststörungen begleitet er Menschen in seiner Praxis in Wien behutsam und diskret zurück in ein selbstbestimmtes Leben.

Wenn die eigene Wohnung zum sichersten Ort wird

Agoraphobie beginnt selten von heute auf morgen. Oft schleicht sich die Angst über Wochen oder Monate ein, bis sich Betroffene irgendwann fragen, warum sie bestimmte Wege kaum noch alleine zurücklegen. Der Begriff „Platzangst“ trifft die Sache dabei nur teilweise, denn es geht nicht alleine um enge Räume, sondern vor allem um Situationen, aus denen eine Flucht schwer oder peinlich erscheint – Supermärkte, Busse, Warteschlangen oder große Plätze. Die Angststörung zeigt sich dabei sehr unterschiedlich: Manche Menschen können sich noch in Begleitung bewegen, andere verlassen ihre Wohnung kaum mehr.

Häufig beginnt es mit kleinen Umwegen: Eine Rolltreppe wird gemieden, ein bestimmter Bus nicht mehr genommen, ein Einkauf lieber auf ruhigere Tageszeiten verschoben. Diese kleinen Anpassungen erscheinen zunächst harmlos, summieren sich jedoch mit der Zeit zu einem immer engeren Handlungsspielraum. Viele Betroffene bemerken erst rückblickend, wie sehr sich ihr Alltag bereits verändert hat, bevor sie sich Unterstützung suchen. Manche berichten sogar, dass sie ihre eigene Situation lange kleinreden, weil ihnen der Vergleich mit „echten“ Krankheitsbildern fehlt und die Angst so subjektiv, aber gleichzeitig sehr real erscheint.

Ist Platzangst dasselbe wie Klaustrophobie?

Nein, auch wenn die Begriffe im Alltag oft vermischt werden. Klaustrophobie bezieht sich konkret auf die Angst vor engen, geschlossenen Räumen, während Agoraphobie viel breiter gefasst ist und sich auf Situationen ohne leichten Fluchtweg bezieht. Psychotherapeut Bernd Thell erlebt in seiner Praxis immer wieder, wie sehr diese Unterscheidung Betroffenen hilft, ihre eigenen Symptome besser einzuordnen und nicht länger als „übertrieben“ abzutun.

Wie sich die Angst im Alltag bemerkbar macht

Die körperlichen und psychischen Anzeichen einer Agoraphobie überschneiden sich häufig mit denen anderer Angstformen, was die Selbsteinschätzung zusätzlich erschwert. Typisch sind unter anderem:

  • Herzrasen, Schwindel oder ein Engegefühl in der Brust, sobald bestimmte Orte aufgesucht werden sollen
  • Vermeidungsverhalten, das sich schleichend ausweitet, bis der eigene Bewegungsradius stark eingeschränkt ist
  • Die ständige gedankliche Vorbereitung auf mögliche „Fluchtwege“ in neuen Umgebungen
  • Scham- und Schuldgefühle gegenüber Familie oder Kolleginnen und Kollegen, weil Termine abgesagt werden müssen

Diese Symptome treten selten isoliert auf. Sehr häufig gehen sie mit Panikattacken einher, die das Vermeidungsverhalten zusätzlich verstärken. Nicht selten berichten Klientinnen und Klienten auch von einem schleichenden Rückzug aus dem Berufsleben, weil Dienstreisen, Meetings in vollen Räumen oder der tägliche Arbeitsweg zur echten Hürde geworden sind.

Panikattacken als ständiger Begleiter

Wer einmal eine Panikattacke erlebt hat, entwickelt oft die Angst vor der nächsten Attacke – ein Kreislauf, der sich von selbst verstärkt. Genau hier braucht es eine gezielte Therapie, um diesen Mechanismus zu durchbrechen. In der Praxis wird zunächst genau geklärt, wie sich die Angst im Einzelfall äußert, bevor gemeinsam an tragfähigen Bewältigungsstrategien gearbeitet wird. Wichtig ist dabei: Eine fundierte Behandlung der Panikstörung setzt nicht bei den Symptomen an der Oberfläche an, sondern bei den dahinterliegenden Mustern. Auch eine spezifische Phobietherapie kann Teil des Behandlungsweges sein, etwa wenn sich die Angst zusätzlich auf bestimmte Orte oder Situationen zuspitzt.

Manche Betroffene berichten zusätzlich von sozialen Ängsten, etwa der Sorge, in der Öffentlichkeit aufzufallen oder bewertet zu werden. Auch für Hilfe bei einer Sozialphobie ist die existenzanalytische Herangehensweise gut geeignet, da sie nicht nur das Symptom, sondern die dahinterliegende Lebenssituation in den Blick nimmt.

Diskrete Begleitung durch die Existenzanalyse in Wien

Viele Menschen zögern lange, bevor sie sich professionelle Hilfe bei Angstzuständen suchen – aus Scham, aus Unsicherheit oder weil sie ihre Situation zunächst alleine bewältigen wollten. Genau deshalb ist ein vertrauensvoller, diskreter Rahmen entscheidend. In der Praxis wird jedes Erstgespräch mit der nötigen Ruhe und ohne Vorverurteilung geführt. Als Psychotherapeut in 1170 Wien mit fundierter Ausbildung in der Existenzanalyse wird hier eine tiefenpsychologisch orientierte Methode mit einem sehr persönlichen, wertschätzenden Zugang verbunden. Ergänzend kann bei Bedarf auch eine gezielte Behandlung der Angststörungen in den Therapieplan einfließen, wenn sich neben der Agoraphobie weitere Ängste zeigen.

Die einzelnen Schritte der Begleitung

Der Weg aus der Angststörung verläuft dabei in mehreren Schritten:

  • Ausführliches Erstgespräch zur Klärung der individuellen Angstsituation
  • Gemeinsame Erarbeitung, welche Situationen aktuell vermieden werden und warum
  • Schrittweise Annäherung an belastende Situationen im vereinbarten Tempo
  • Begleitende existenzanalytische Gespräche zu den dahinterliegenden Themen wie Kontrollverlust oder Sicherheitsbedürfnis

Diese Struktur macht deutlich: Es geht nicht darum, sich der Angst „einfach zu stellen“, sondern sie behutsam und mit fachlicher Begleitung Stück für Stück zu verstehen und zu verringern. Gerade das eigene Tempo spielt dabei eine zentrale Rolle, denn Druck von außen verstärkt die Angst in der Regel eher, als sie zu lindern.

Wer sich für Therapie bei Angststörung interessiert, findet in Wien mehrere Anlaufstellen – die persönliche Passung zwischen Klientin oder Klient und Therapeut spielt dabei jedoch eine ebenso große Rolle wie die fachliche Qualifikation. Die Praxis liegt zentral im 17. Bezirk und ist auch aus den angrenzenden Bezirken 18 sowie aus Teilen des 16. und 9. Bezirks gut erreichbar, was gerade für Menschen mit eingeschränktem Bewegungsradius ein praktischer Vorteil ist. Eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel sowie die Möglichkeit, kurzfristig einen Parkplatz in der Nähe zu finden, erleichtern vielen Betroffenen den ersten Schritt zusätzlich. Auch akute Hilfe bei Panikattacken lässt sich in dieser zentralen Lage rasch und unkompliziert in Anspruch nehmen.

Der erste Schritt aus der Isolation

Agoraphobie führt schleichend in eine Isolation, die sich von außen oft nur schwer erkennen lässt. Umso wichtiger ist es, sich nicht alleine mit der Angst auseinanderzusetzen, sondern fachkundige Hilfe bei Angststörungen in Anspruch zu nehmen. In einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch lässt sich in Ruhe klären, ob die existenzanalytische Arbeitsweise von Bernd Thell zur eigenen Situation passt.

»Der erste Anruf ist oft der schwierigste Schritt«, wie viele Klientinnen und Klienten im Nachhinein rückblickend bestätigen – alle weiteren Schritte lassen sich dann gemeinsam und in einem für die betroffene Person angenehmen Tempo gehen. Wer bereit ist, diesen ersten Schritt zu gehen, findet in der Praxis von Bernd Thell einen Ort, an dem die eigene Geschichte ernst genommen wird, ohne dass Vermeidung oder Rückzug bewertet werden.

 

 


10 kraftvolle Zitate von Viktor Frankl – und was sie für Ihr Leben bedeuten können

Viktor Frankl gehört zu den einflussreichsten Denkern des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Begründer der Logotherapie und Überlebender mehrerer Konzentrationslager hat er aus eigener, extremer Leiderfahrung heraus eine Psychotherapieform entwickelt, die bis heute Millionen Menschen berührt und orientiert. Seine Gedanken sind deshalb so kraftvoll, weil sie nicht aus akademischer Theorie entstanden sind, sondern aus gelebter, existenzieller Erfahrung unter den unmenschlichsten Bedingungen. Im Folgenden stellen wir zehn zentrale Gedanken aus Frankls Werk vor – sinngemäß wiedergegeben, da seine originalen Formulierungen urheberrechtlich geschützt sind – und beleuchten, was sie für das eigene Leben bedeuten können.

1. Die Freiheit, die eigene Haltung zu wählen

Einer der bekanntesten Gedanken Frankls besagt sinngemäß, dass dem Menschen zwar nicht immer die Möglichkeit bleibt, seine äußeren Umstände zu verändern, wohl aber, seine innere Haltung dazu frei zu wählen. Diese sogenannte Einstellungsfreiheit entwickelte Frankl unter den denkbar extremsten Bedingungen im Konzentrationslager und machte sie zum Kernstück seiner Logotherapie.

Was bedeutet das für den Alltag? In schwierigen, unveränderlichen Situationen – einer Krankheit, einem Verlust, einer beruflichen Krise – bleibt uns oft die Wahl, wie wir innerlich dazu stehen. Diese Wahlfreiheit kann niemandem genommen werden, selbst wenn die äußere Situation völlig außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Angststörung Therapie Wien und Hilfe bei Lebenskrise Wien greifen häufig auf genau diesen Gedanken zurück, um Betroffenen auch in ausweglos erscheinenden Situationen einen inneren Handlungsspielraum aufzuzeigen.

2. Sinn als tragende Kraft in schwierigen Zeiten

Frankl war überzeugt, dass Menschen fast jede Form von Leid ertragen können, wenn sie darin einen Sinn erkennen. Diese Erkenntnis, die er selbst unter extremsten Bedingungen gewann, bildet das Fundament der Logotherapie Wien.

Für den heutigen Alltag bedeutet das: Nicht das Leid selbst bestimmt, wie sehr ein Mensch daran zerbricht, sondern die Frage, ob er darin eine Bedeutung erkennen kann. Diese Bedeutung muss nicht sofort ersichtlich sein – oft entsteht sie erst im Rückblick oder durch die bewusste Arbeit daran, dem Erlebten einen Platz in der eigenen Lebensgeschichte zu geben.

3. Die Umkehrung der Sinnfrage

Ein besonders bedeutsamer Gedanke Frankls ist die radikale Umkehrung der klassischen Sinnfrage. Statt zu fragen „Was erwarte ich vom Leben?“, schlug er vor zu fragen: „Was erwartet das Leben von mir?“ Diese Perspektivänderung verschiebt den Menschen von der passiven, fordernden Position in eine aktive, antwortende Rolle.

Diese Umkehrung nimmt vielen Menschen einen erheblichen inneren Druck. Statt krampfhaft nach dem großen Lebenssinn zu suchen, geht es darum, im konkreten Alltag wahrzunehmen, welche Aufgaben, Beziehungen und Möglichkeiten gerade auf eine Antwort warten. Hilfe bei Sinnkrise Wien setzt häufig genau an diesem Perspektivwechsel an.

4. Die drei Wege zum Sinn

Frankl unterschied drei grundlegende Kategorien, über die ein Mensch Sinn im Leben finden kann: durch schöpferisches Tun und Erschaffen, durch das bewusste Erleben von Werten wie Liebe, Schönheit oder Wahrheit, sowie durch die innere Haltung gegenüber unveränderlichem Leid.

Diese drei Wege zeigen, dass Sinn keineswegs nur durch große Lebensleistungen entsteht. Auch das bewusste Erleben eines schönen Moments, einer erfüllenden Beziehung oder die würdevolle Bewältigung einer schwierigen Situation können gleichermaßen bedeutsame Quellen von Sinn sein.

5. Das existenzielle Vakuum als Krankheit unserer Zeit

Frankl beschrieb bereits vor Jahrzehnten ein Phänomen, das er als existenzielles Vakuum bezeichnete – ein Gefühl innerer Leere, Langeweile und Sinnlosigkeit, das trotz materiellen Wohlstands entsteht, wenn der Mensch den Bezug zu bedeutsamen Werten und Aufgaben verliert. Dieses Konzept hat angesichts moderner Phänomene wie Klimaangst, Weltschmerz und Konsumüberdruss kaum an Aktualität verloren.

Wer sich in einem solchen Zustand innerer Leere wiedererkennt, findet in der Logotherapie einen wertvollen Ansatzpunkt: nicht die Suche nach mehr äußerem Erfolg oder Ablenkung, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit der Frage, was dem eigenen Leben tatsächlich Bedeutung verleiht.

6. Der Mensch als Wesen auf der Suche nach Sinn

Ein zentraler Grundgedanke Frankls ist, dass der Mensch primär nicht von Lust oder Macht angetrieben wird, sondern von der tiefen Suche nach Sinn. Diese Sichtweise unterscheidet die Logotherapie deutlich von anderen psychologischen Schulen, die den Menschen vor allem als triebgesteuertes oder machtorientiertes Wesen verstehen.

Für die therapeutische Praxis bedeutet dies, dass psychisches Leiden häufig nicht nur symptomatisch behandelt, sondern auch als Ausdruck einer unbeantworteten Sinnfrage verstanden werden sollte. Existenzanalyse Wien greift diesen Gedanken auf, indem sie hinter Symptomen stets auch nach der zugrundeliegenden existenziellen Frage sucht.

7. Die paradoxe Intention als therapeutisches Werkzeug

Frankl entwickelte die Technik der paradoxen Intention, bei der Betroffene humorvoll genau das herbeiwünschen, wovor sie sich eigentlich fürchten. Diese Methode nutzt die Beobachtung, dass übermäßige Anstrengung, eine Angst zu vermeiden, diese oft erst verstärkt, während eine humorvolle Distanzierung die Angst paradoxerweise abschwächen kann.

Diese Technik findet bis heute Anwendung, insbesondere bei Angststörungen und Panikattacken Therapie Wien, wo der bewusste, humorvolle Umgang mit der gefürchteten Situation den Teufelskreis aus Angst und Vermeidung durchbrechen kann.

8. Die Würde des Menschen bleibt unantastbar

Ein zentraler Gedanke in Frankls Werk ist die Überzeugung, dass die innere Würde eines Menschen selbst unter den entwürdigendsten äußeren Bedingungen erhalten bleiben kann. Diese Überzeugung entwickelte er aus eigenster Erfahrung im Konzentrationslager, wo er beobachtete, dass manche Menschen selbst unter extremster Erniedrigung ihre innere Haltung und Menschlichkeit bewahrten.

Dieser Gedanke bietet auch heute Trost und Orientierung für Menschen, die sich in scheinbar entwürdigenden oder ausweglosen Lebenssituationen befinden – etwa bei schwerer Krankheit, Verlust der beruflichen Identität oder anderen tiefgreifenden Lebenskrisen.

9. Verantwortung als Kehrseite der Freiheit

Frankl betonte, dass menschliche Freiheit untrennbar mit Verantwortung verbunden ist. Die Freiheit, die eigene Haltung zu wählen, bringt zugleich die Verantwortung mit sich, diese Wahl bewusst und reflektiert zu treffen, statt sich passiv den Umständen zu überlassen.

Dieser Gedanke ist besonders relevant für Menschen, die sich in der Opferrolle gefangen fühlen. Er lädt dazu ein, auch in schwierigen Lebenslagen die eigene Handlungsfähigkeit und Verantwortung wiederzuentdecken, ohne dabei tatsächliche äußere Belastungen zu verharmlosen oder Schuld zuzuweisen, wo keine liegt.

10. Der Mensch entscheidet, was aus ihm wird

Ein abschließender, zentraler Gedanke Frankls betrifft die grundsätzliche Offenheit menschlicher Entwicklung. Er war überzeugt, dass der Mensch nicht vollständig durch seine Vergangenheit, seine Veranlagung oder seine Umstände determiniert ist, sondern stets über einen Rest an Freiheit verfügt, sich in jedem Moment neu zu entscheiden, wer er sein möchte.

Diese Überzeugung bildet eine hoffnungsvolle Grundlage für jede Form der Psychotherapie: Veränderung ist möglich, unabhängig davon, wie festgefahren eine Lebenssituation erscheinen mag.

Was diese Gedanken für die therapeutische Praxis bedeuten

Diese zehn zentralen Gedanken Viktor Frankls bilden bis heute das Fundament der Existenzanalyse und Logotherapie Viktor Frankl. Sie sind keine abstrakten philosophischen Konzepte, sondern praktische, in der therapeutischen Arbeit direkt anwendbare Prinzipien, die Menschen in Krisensituationen neue Perspektiven eröffnen können.

In der Praxis von Dipl. Päd. Bernd Thell in der Kalvarienberggasse 57/18 in Wien Hernals bilden diese Gedanken die theoretische und praktische Grundlage der therapeutischen Arbeit. Viktor Frankls Erkenntnisse werden dabei nicht als starre Lehrsätze vermittelt, sondern als lebendige, individuell anwendbare Denkanstöße, die jeder Mensch für seine eigene, einzigartige Lebenssituation neu entdecken und nutzbar machen kann. Wer sich von diesen Gedanken angesprochen fühlt, findet in der existenzanalytischen Psychotherapie einen Ansatz, der diese Prinzipien konkret und praxisnah in den therapeutischen Prozess integriert.


Selbstwertgefühl aufbauen: Der Weg zu einer gesunden Beziehung zu sich selbst

Manche Menschen gehen durchs Leben mit einem stabilen inneren Fundament – sie können Kritik einstecken, ohne daran zu zerbrechen, Fehler machen, ohne sich selbst zu verurteilen, und sich Erfolge zuschreiben, ohne sie kleinzureden. Andere hingegen tragen ein tiefes, oft lebenslanges Gefühl der Unzulänglichkeit mit sich – die leise, aber hartnäckige Überzeugung, nicht gut genug zu sein, nicht liebenswert, nicht wichtig. Ein geringes Selbstwertgefühl gehört zu den häufigsten psychischen Themen, die in der Psychotherapie bearbeitet werden. Es tritt selten als eigenständige Diagnose auf, sondern häufig als stiller Motor hinter Depression, Angststörungen, Beziehungsproblemen oder Perfektionismus. Die gute Nachricht: Selbstwertgefühl ist keine feste, unveränderliche Größe. Es lässt sich entwickeln, stärken und heilen – auch wenn der Weg dorthin Zeit und ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst erfordert.

Was ist Selbstwertgefühl eigentlich?

Selbstwertgefühl beschreibt die grundlegende innere Bewertung der eigenen Person – die Antwort auf die stille, oft unbewusste Frage: Bin ich wertvoll, so wie ich bin? Es unterscheidet sich vom Selbstvertrauen, das sich eher auf die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten in bestimmten Bereichen bezieht. Man kann beruflich sehr selbstsicher auftreten und gleichzeitig unter einem tiefen Gefühl der persönlichen Unzulänglichkeit leiden.

Ein gesundes Selbstwertgefühl bedeutet nicht, sich für perfekt oder immer im Recht zu halten. Es bedeutet vielmehr, sich selbst grundsätzlich als wertvoll zu erleben – mit allen Stärken und Schwächen, Erfolgen und Fehlern. Menschen mit stabilem Selbstwert können Kritik annehmen, ohne dass ihr gesamtes Selbstbild ins Wanken gerät, und sie können sich selbst verzeihen, wenn sie Fehler machen.

Woran man geringes Selbstwertgefühl erkennt

Ein niedriges Selbstwertgefühl zeigt sich nicht immer offensichtlich. Es versteckt sich oft hinter Verhaltensweisen, die auf den ersten Blick nichts damit zu tun zu haben scheinen: übertriebener Ehrgeiz, die Unfähigkeit, Komplimente anzunehmen, ein ständiger Vergleich mit anderen oder die Tendenz, die eigenen Bedürfnisse permanent hintanzustellen. Selbstbewusstsein stärken Wien beginnt daher häufig mit dem ersten Schritt, diese versteckten Muster überhaupt erst zu erkennen.

Woher kommt ein geringes Selbstwertgefühl?

Das Selbstwertgefühl entwickelt sich nicht im luftleeren Raum. Es entsteht in den ersten Lebensjahren maßgeblich durch die Erfahrungen, die ein Kind in seinem familiären und sozialen Umfeld macht. Verschiedene Faktoren können die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls erschweren:

  • Eine Erziehung, in der Zuneigung und Anerkennung stark an Leistung geknüpft waren, sodass Liebe als bedingt statt bedingungslos erlebt wurde
  • Häufige Kritik, Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern, oder das Gefühl, den elterlichen Erwartungen nie ganz zu genügen
  • Emotionale Vernachlässigung, bei der grundlegende Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit und Bestätigung nicht ausreichend erfüllt wurden
  • Mobbing- oder Ausgrenzungserfahrungen in Kindheit oder Jugend, die tiefe Zweifel an der eigenen Liebenswürdigkeit hinterlassen haben
  • Traumatische Erlebnisse, die das grundlegende Gefühl von Sicherheit und eigenem Wert erschüttert haben
  • Gesellschaftliche und mediale Vergleichsmechanismen, die besonders in der Gegenwart durch soziale Medien verstärkt werden

Diese Ursachen erklären, warum geringes Selbstwertgefühl selten „grundlos“ entsteht – es ist fast immer die logische Konsequenz früherer Erfahrungen, auch wenn diese im Erwachsenenleben längst überwunden scheinen.

Der innere Kritiker als ständiger Begleiter

Viele Menschen mit geringem Selbstwertgefühl tragen eine innere Stimme mit sich, die unaufhörlich kommentiert, bewertet und kritisiert. Dieser innere Kritiker hat sich meist aus früheren äußeren Stimmen entwickelt – Eltern, Lehrer oder andere prägende Personen, deren Urteile internalisiert wurden und heute wie eine eigene, scheinbar objektive Wahrheit erlebt werden. Die Therapie bei geringem Selbstwert Wien setzt genau hier an: Diese innere Stimme muss zunächst als das erkannt werden, was sie ist – eine erlernte, veränderbare Gewohnheit, keine unumstößliche Wahrheit.

Wie geringes Selbstwertgefühl das Leben beeinflusst

Ein instabiles Selbstwertgefühl wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche aus, oft auf subtile, aber tiefgreifende Weise.

Beziehungen und Selbstwert

Menschen mit geringem Selbstwertgefühl neigen dazu, in Beziehungen die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen, sich stark von der Meinung des Partners abhängig zu machen oder Beziehungen einzugehen, die ihnen nicht guttun, weil sie glauben, nichts Besseres verdient zu haben. Hilfe bei Beziehungsproblemen Wien zeigt regelmäßig, dass viele wiederkehrende Beziehungsmuster ihre Wurzel in einem grundlegend erschütterten Selbstwertgefühl haben.

Beruf und Leistung

Im beruflichen Kontext äußert sich geringes Selbstwertgefühl häufig als Perfektionismus, als Schwierigkeit, eigene Leistungen angemessen einzuschätzen, oder als das sogenannte Hochstapler-Syndrom – die tiefe, hartnäckige Überzeugung, die eigenen Erfolge nicht wirklich verdient zu haben und jeden Moment als Betrug entlarvt zu werden.

Psychische Gesundheit insgesamt

Geringes Selbstwertgefühl ist ein bedeutender Risikofaktor für die Entwicklung von Depression und Angststörungen. Wer sich selbst grundlegend als unzulänglich erlebt, ist anfälliger für negative Gedankenspiralen und hat weniger innere Ressourcen, um mit Belastungen und Rückschlägen konstruktiv umzugehen.

Die existenzanalytische Perspektive auf Selbstwert

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle verortet das Thema Selbstwert vor allem in der dritten Grundmotivation: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Diese Frage berührt den Kern dessen, was Selbstwertgefühl eigentlich bedeutet – die innere Erlaubnis, mit allen eigenen Facetten, Stärken und Schwächen existieren zu dürfen, ohne dafür permanent Rechtfertigung oder Beweise liefern zu müssen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen zwei Ebenen: dem Selbstwert, der sich auf Leistung und Vergleich mit anderen gründet, und der Selbstannahme, die tiefer liegt und unabhängig von äußeren Bewertungen existiert. Existenzanalytische Psychotherapie zielt vor allem auf diese zweite, tragfähigere Ebene ab – die Fähigkeit, sich selbst grundsätzlich zu bejahen, unabhängig davon, was gerade gelingt oder misslingt.

Wege zu einem stabileren Selbstwertgefühl

Der Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls ist ein Prozess, der Zeit braucht und sich nicht durch einfache Ratschläge oder positive Affirmationen erreichen lässt. Dennoch gibt es bewährte Ansätze, die in der psychotherapeutischen Arbeit zentral sind.

Die eigenen inneren Überzeugungen hinterfragen

Ein wichtiger Schritt ist, die tief verwurzelten negativen Grundüberzeugungen über sich selbst bewusst zu machen und kritisch zu hinterfragen. Woher stammt die Überzeugung, nicht gut genug zu sein? Entspricht sie tatsächlich der Realität, oder ist sie ein altes, überholtes Muster, das einmal Sinn ergab, heute aber nicht mehr zutrifft?

Selbstmitgefühl statt Selbstkritik

Selbstmitgefühl bedeutet, sich selbst mit derselben Freundlichkeit und Nachsicht zu begegnen, die man einem guten Freund entgegenbringen würde. Für viele Menschen mit geringem Selbstwertgefühl ist das zunächst ungewohnt oder fühlt sich sogar falsch an – doch es ist eines der wirksamsten Mittel, um den inneren Kritiker allmählich zum Schweigen zu bringen.

Eigene Werte statt fremder Maßstäbe

Ein zentraler Bestandteil der Arbeit an einem gesunden Selbstwertgefühl ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten – unabhängig von gesellschaftlichen oder familiären Erwartungen. Was ist mir selbst wirklich wichtig? Wonach möchte ich mein Leben ausrichten, unabhängig davon, was andere davon erwarten oder halten?

In der Praxis von Bernd Thell in Wien Hernals nimmt diese Auseinandersetzung mit den eigenen Werten einen zentralen Stellenwert ein. Statt vorschnell Techniken zur „Selbstwertsteigerung“ anzubieten, wird gemeinsam erarbeitet, woher die spezifischen Selbstzweifel eines Menschen stammen und wie sich schrittweise ein tragfähigeres, authentischeres Verhältnis zu sich selbst entwickeln lässt.

Ein stabiler innerer Grund

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist kein Zustand permanenter Zufriedenheit mit sich selbst, sondern ein stabiler innerer Grund, der auch schwierige Zeiten, Rückschläge und Kritik tragen kann. Es zu entwickeln ist keine Frage von Willenskraft oder positivem Denken, sondern ein tiefgreifender, oft langwieriger psychotherapeutischer Prozess. Er lohnt sich – denn ein stabiles Selbstwertgefühl verändert nicht nur die Beziehung zu sich selbst, sondern strahlt in nahezu jeden Lebensbereich aus.


9 Wege, wie Trauer sich zeigen kann – und warum das völlig normal ist

Trauer hat kein einheitliches Gesicht. Manche Menschen weinen viel, andere gar nicht. Manche ziehen sich zurück, andere suchen verstärkt Gesellschaft. Manche funktionieren äußerlich scheinbar unbeeindruckt weiter, während in ihnen ein Sturm tobt. Diese Vielfalt führt häufig zu Verunsicherung – sowohl bei Trauernden selbst als auch bei ihrem Umfeld. „Trauere ich richtig?“ ist eine Frage, die in der psychotherapeutischen Praxis erstaunlich oft gestellt wird. Dabei gibt es kein richtiges oder falsches Trauern. Es gibt lediglich unterschiedliche, gleichermaßen legitime Ausdrucksformen eines zutiefst individuellen Prozesses. Diese neun Wege zeigen, wie unterschiedlich sich Trauer äußern kann – und sollen vor allem eines vermitteln: Was auch immer Sie gerade erleben, es gehört wahrscheinlich zum normalen Spektrum menschlicher Trauer.

1. Intensives, tränenreiches Weinen

Die wohl bekannteste und gesellschaftlich am ehesten akzeptierte Form der Trauer ist intensives Weinen. Tränen sind ein natürlicher, biologisch verankerter Ausdruck von Schmerz und Verlust. Manche Menschen weinen in den ersten Tagen und Wochen nach einem Verlust nahezu unaufhörlich, andere brechen unerwartet in Tränen aus, ausgelöst durch scheinbar belanglose Kleinigkeiten – ein Lied, ein Geruch, ein Gegenstand. Diese Tränen sind keine Schwäche, sondern eine wichtige emotionale Entladung, die zur Verarbeitung des Verlustes beiträgt.

2. Emotionale Taubheit und scheinbare Gefühllosigkeit

Paradoxerweise reagieren manche Menschen auf einen schweren Verlust zunächst mit dem genauen Gegenteil von Tränen: einem Gefühl innerer Leere oder Taubheit. Dieser Zustand wird von Betroffenen oft als beunruhigend erlebt – sie fragen sich, warum sie nichts fühlen, obwohl der Verlust doch so bedeutsam war. Diese emotionale Taubheit ist jedoch ein bekannter Schutzmechanismus der Psyche, der verhindert, dass die volle Wucht des Schmerzes das Nervensystem in den ersten Momenten vollständig überwältigt.

Warum Taubheit kein Zeichen von Gefühlskälte ist

Die Psyche reguliert die Intensität schmerzhafter Erfahrungen oft selbstständig, um eine Überforderung zu verhindern. Diese Taubheit löst sich in der Regel im Verlauf der Zeit auf, und die eigentlichen Gefühle kommen dann Schritt für Schritt, oft in kleineren, verarbeitbaren Portionen zum Vorschein. Trauerbegleitung Wien berücksichtigt diesen individuellen Verlauf und übt keinen Druck aus, „endlich zu fühlen“.

3. Wut und Zorn

Trauer zeigt sich nicht selten auch als intensive Wut – auf das Schicksal, auf Ärzte, auf den Verstorbenen selbst, weil er gegangen ist, oder auf das eigene Umfeld, das die Situation vermeintlich nicht versteht. Diese Wut kann sich beängstigend und unpassend anfühlen, besonders wenn sie sich gegen den geliebten Menschen richtet, den man doch eigentlich vermisst. Wut ist jedoch ein legitimer Bestandteil des Trauerprozesses, oft Ausdruck der tiefen Ohnmacht angesichts eines Verlustes, den man nicht verhindern konnte.

4. Schuldgefühle und quälendes Grübeln

Viele Trauernde plagen sich mit Gedanken darüber, was sie hätten anders machen können. Hätte ich früher zum Arzt gedrängt? Hätte ich öfter angerufen? Hätte ich mehr Zeit verbracht? Diese Schuldgefühle entstehen oft unabhängig davon, ob objektiv tatsächlich ein Fehlverhalten vorlag. Sie sind ein Versuch der Psyche, dem unkontrollierbaren Verlust im Nachhinein eine Struktur und Erklärbarkeit zu geben – auch wenn diese Struktur schmerzhaft und meist unbegründet ist.

5. Körperliche Erschöpfung und physische Symptome

Trauer erschöpft den Körper auf eine Weise, die viele Menschen unterschätzen. Anhaltende Müdigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, ein Engegefühl in der Brust oder allgemeine körperliche Schwäche sind häufige Begleiterscheinungen. Der Körper reagiert auf den psychischen Ausnahmezustand, in dem er sich befindet, mit spürbaren physischen Symptomen – ein Zusammenhang, der in der Psychosomatik gut dokumentiert ist.

6. Sozialer Rückzug

Manche Trauernde ziehen sich stark aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Sie meiden Gespräche, sagen Verabredungen ab und wünschen sich vor allem Ruhe und Alleinsein. Dieser Rückzug kann für das Umfeld irritierend wirken, ist jedoch häufig ein notwendiger Schutzraum, um die eigenen Gefühle ohne die zusätzliche Anforderung sozialer Interaktion verarbeiten zu können.

7. Verstärktes Bedürfnis nach Nähe und Gesellschaft

Genau entgegengesetzt zum sozialen Rückzug erleben andere Menschen nach einem Verlust ein verstärktes Bedürfnis nach Nähe, Gesellschaft und Austausch. Sie suchen bewusst den Kontakt zu anderen, sprechen viel über den Verstorbenen und empfinden Alleinsein als besonders schwer erträglich. Beide Reaktionen – Rückzug und verstärktes Bedürfnis nach Nähe – sind gleichermaßen normale, individuelle Bewältigungsstrategien.

8. Funktionieren und scheinbare Normalität

Manche Menschen reagieren auf einen Verlust, indem sie zunächst scheinbar unbeeindruckt weiterfunktionieren – sie gehen zur Arbeit, kümmern sich um organisatorische Angelegenheiten, wirken gefasst und strukturiert. Dieses Verhalten wird von außen manchmal fälschlicherweise als fehlende Trauer interpretiert, ist jedoch oft eine notwendige und durchaus gesunde Bewältigungsstrategie, insbesondere in den ersten Tagen, in denen praktische Angelegenheiten geregelt werden müssen. Die eigentliche emotionale Verarbeitung folgt bei diesen Menschen häufig zeitversetzt.

9. Plötzliche Wellen intensiver Trauer nach scheinbarer Ruhe

Ein besonders verwirrendes Phänomen ist das plötzliche Wiederaufbrechen intensiver Trauer, nachdem bereits eine Phase relativer Ruhe eingetreten war. Ausgelöst durch einen Jahrestag, eine besondere Erinnerung oder scheinbar ohne erkennbaren Anlass, kann die Trauer mit unerwarteter Wucht zurückkehren. Dies bedeutet nicht, dass der bisherige Trauerprozess erfolglos war – Trauer verläuft nicht linear, sondern in Wellen, die sich über Jahre hinweg verändern können, ohne jemals vollständig zu verschwinden.

Was diese Vielfalt gemeinsam zeigt

Diese neun unterschiedlichen Ausdrucksformen von Trauer verdeutlichen vor allem eines: Es gibt keinen einheitlichen, „richtigen“ Weg zu trauern. Jeder Mensch verarbeitet Verlust auf seine eigene, von der individuellen Persönlichkeit, der Beziehung zum Verstorbenen und den Lebensumständen geprägte Weise. Wichtig ist nicht, welche dieser Reaktionen auftritt, sondern ob der Trauerprozess insgesamt in Bewegung bleibt – auch wenn diese Bewegung nicht linear oder vorhersehbar verläuft.

Hilfe bei Trauer Wien wird sinnvoll, wenn eine dieser Reaktionen sich über sehr lange Zeit verfestigt, ohne jede Veränderung zeigt, oder wenn der Alltag über Monate hinweg grundlegend nicht mehr bewältigt werden kann. In solchen Fällen kann professionelle Begleitung helfen, den ins Stocken geratenen Prozess wieder in Gang zu bringen.

In der Praxis von Dipl. Päd. Bernd Thell in Wien Hernals wird bei der Begleitung trauernder Menschen besonderer Wert darauf gelegt, keine dieser individuellen Ausdrucksformen zu bewerten oder zu normieren. Die existenzanalytische Haltung begegnet jedem Trauerprozess mit der Anerkennung, dass er in seiner jeweiligen Form seine eigene Berechtigung hat – und dass die Aufgabe der therapeutischen Begleitung nicht darin besteht, Trauer in ein bestimmtes Schema zu pressen, sondern Raum für das zu schaffen, was gerade da ist.


Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen: Wege durch die Dunkelheit

Der Tod eines geliebten Menschen gehört zu den tiefgreifendsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Egal wie sehr man sich innerlich vorbereitet fühlte, egal ob der Tod plötzlich oder nach langer Krankheit eintrat – der Moment des endgültigen Abschieds reißt eine Lücke, die sich mit nichts anderem füllen lässt. Trauer ist keine Krankheit, sondern eine zutiefst menschliche Reaktion auf Verlust. Und doch geraten viele Menschen in dieser Ausnahmesituation an die Grenzen dessen, was sie allein bewältigen können. Die Gesellschaft bietet oft wenig Raum für Trauer – nach wenigen Wochen wird stillschweigend erwartet, dass man „wieder funktioniert“. Diese Diskrepanz zwischen dem inneren Erleben und den äußeren Erwartungen macht Trauerprozesse häufig noch schwerer, als sie ohnehin schon sind.

Trauer ist kein linearer Prozess

Lange Zeit ging man davon aus, dass Trauer in klar abgrenzbaren Phasen verläuft – von Verleugnung über Wut und Verhandeln bis hin zu Depression und schließlich Akzeptanz. Die moderne Trauerforschung hat dieses Modell erheblich relativiert. Trauer verläuft nicht linear und nicht nach einem festen Zeitplan. Sie kommt in Wellen, verändert sich, verschwindet scheinbar und kehrt dann unerwartet mit voller Wucht zurück – ausgelöst durch einen Geruch, ein Lied, einen Jahrestag oder scheinbar aus dem Nichts.

Diese Unvorhersehbarkeit verunsichert viele Trauernde zutiefst. Sie fragen sich, ob sie „richtig“ trauern, ob es normal ist, an manchen Tagen lachen zu können und am nächsten wieder tief in Schmerz zu versinken. Die Antwort lautet: Es gibt kein richtiges oder falsches Trauern. Jeder Mensch trauert auf seine eigene Weise, in seinem eigenen Tempo, geprägt von der Beziehung zum Verstorbenen und der eigenen Persönlichkeit.

Wenn Trauer sich körperlich zeigt

Trauer ist nicht nur ein emotionaler, sondern auch ein zutiefst körperlicher Prozess. Viele Trauernde berichten von körperlicher Erschöpfung, einem Engegefühl in der Brust, Appetitlosigkeit oder Schlafstörungen. Das Nervensystem reagiert auf den Verlust ähnlich wie auf eine existenzielle Bedrohung – mit erhöhter Anspannung, Wachsamkeit und manchmal auch mit einem Gefühl innerer Taubheit, das als Schutzmechanismus vor der vollen emotionalen Wucht des Verlusts fungiert.

Warum manche Verluste besonders schwer zu verarbeiten sind

Nicht jede Trauer verläuft gleich schwer. Bestimmte Umstände erschweren den Trauerprozess zusätzlich und erhöhen das Risiko, dass sich eine sogenannte komplizierte oder anhaltende Trauerstörung entwickelt. Dazu zählen unter anderem:

  • Ein plötzlicher, unerwarteter Tod, bei dem keine Zeit blieb, sich zu verabschieden oder auf den Verlust vorzubereiten
  • Der Tod eines Kindes, der als besonders widernatürlich und zutiefst erschütternd erlebt wird
  • Ein Verlust durch Suizid, der oft zusätzlich mit Schuldgefühlen, Scham und quälenden Fragen nach dem Warum verbunden ist
  • Eine ambivalente oder konfliktreiche Beziehung zum Verstorbenen, die unausgesprochene Themen und ungeklärte Konflikte hinterlässt
  • Mehrfache oder aufeinanderfolgende Verluste, die dem Nervensystem kaum Zeit zur Erholung lassen
  • Gesellschaftliche oder familiäre Isolation, die das Gefühl verstärkt, mit der Trauer völlig allein zu sein

Wenn einer oder mehrere dieser Faktoren zutreffen, ist es besonders wichtig, sich frühzeitig Unterstützung zu holen, statt zu versuchen, den Verlust allein zu bewältigen.

Wann wird aus normaler Trauer eine behandlungsbedürftige Belastung?

Trauer braucht Zeit – und diese Zeit unterscheidet sich von Mensch zu Mensch erheblich. Dennoch gibt es Anzeichen, die darauf hindeuten, dass professionelle Unterstützung sinnvoll sein könnte. Dazu gehört, wenn die Intensität der Trauer über viele Monate hinweg nicht nachlässt, sondern sich eher verstärkt. Wenn der Alltag – Arbeit, soziale Kontakte, grundlegende Selbstfürsorge – dauerhaft nicht mehr bewältigt werden kann. Wenn sich starke Schuldgefühle, Selbstvorwürfe oder das Gefühl entwickeln, selbst nicht mehr weiterleben zu wollen. Oder wenn der Verlust so sehr verdrängt wird, dass keinerlei emotionale Reaktion mehr stattfindet, was ebenso ein Zeichen für eine Blockade im Trauerprozess sein kann wie übermäßig starkes, anhaltendes Leiden.

Die besondere Situation nach einem Suizid

Der Verlust eines Menschen durch Suizid stellt eine besonders komplexe Form der Trauer dar. Hinterbliebene ringen oft jahrelang mit der Frage nach dem Warum, mit Schuldgefühlen über vermeintlich übersehene Warnzeichen und mit dem gesellschaftlichen Tabu, das dieses Thema noch immer umgibt. Trauerbegleitung Wien für Menschen nach einem Suizidverlust erfordert besondere Behutsamkeit und Erfahrung, da hier zusätzliche Schichten von Schuld, Scham und ungelösten Fragen bearbeitet werden müssen.

Die existenzanalytische Perspektive auf Trauer

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet Trauer als eine tiefgreifende Erschütterung der zweiten Grundmotivation: „Mag ich leben?“ Der Verlust eines geliebten Menschen stellt die Frage nach dem Wert des eigenen Lebens auf eine harte Probe – besonders dann, wenn die Beziehung zum Verstorbenen ein zentraler Bestandteil des eigenen Lebensgefühls war. Es ist, als würde ein Stück der eigenen Existenz mit dem anderen Menschen sterben.

Viktor Frankl selbst hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Leid und Verlust sinnvoll integriert werden können, ohne dass sie das gesamte Leben zerstören. Seine Antwort lag nicht in einer Verharmlosung des Schmerzes, sondern in der Möglichkeit, auch im Verlust noch eine Form von Beziehung aufrechtzuerhalten – durch Erinnerung, durch das Weiterleben von Werten, die der verstorbene Mensch verkörpert hat, und durch die bewusste Entscheidung, das eigene Leben trotz des Schmerzes weiterzuführen.

Trauer als Ausdruck von Liebe

Ein zentraler Gedanke der Logotherapie Wien ist, dass die Intensität der Trauer unmittelbar mit der Tiefe der vorherigen Bindung zusammenhängt. Wer tief geliebt hat, trauert tief. Diese Perspektive kann für viele Trauernde entlastend sein: Der Schmerz ist kein Zeichen von Schwäche oder mangelnder Bewältigungsfähigkeit, sondern ein Ausdruck der Bedeutung, die dieser Mensch im eigenen Leben hatte.

Was in der Trauerbegleitung wirklich hilft

Psychotherapeutische Begleitung nach einem Verlust bedeutet in erster Linie, einen Raum zu schaffen, in dem der Schmerz ohne Zeitdruck und ohne Bewertung ausgesprochen werden darf. Viele Trauernde haben in ihrem Umfeld die Erfahrung gemacht, dass andere Menschen mit der Zeit ungeduldig werden oder das Thema meiden, weil sie selbst nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Die therapeutische Beziehung bietet hier einen geschützten Gegenpol.

In der Arbeit mit trauernden Menschen hat sich in der Praxis von Bernd Thell besonders bewährt, dem Trauerprozess seine eigene Zeit zuzugestehen, statt ihn in ein vorgegebenes Schema zu pressen. Die existenzanalytische Herangehensweise fragt dabei nicht nur, wie der Schmerz gelindert werden kann, sondern auch, welchen Platz der verstorbene Mensch weiterhin im eigenen Leben einnehmen darf und wie eine neue, veränderte Form der Beziehung zu ihm entstehen kann – eine, die nicht mehr auf physischer Anwesenheit beruht, sondern auf Erinnerung, Wertschätzung und dem, was von diesem Menschen weiterwirkt.

Der Weg durch die Dunkelheit

Trauer lässt sich nicht abkürzen und nicht überspringen. Sie verlangt, durchlebt zu werden – mit all ihren Wellen, Rückschlägen und unerwarteten Momenten der Erleichterung. Therapie bei Trauer Wien bietet dabei keine schnelle Lösung, sondern eine verlässliche Begleitung durch einen Prozess, der Zeit braucht, aber nicht endlos in derselben Intensität anhalten muss. Mit der richtigen Unterstützung ist es möglich, den Verlust zu integrieren, ohne ihn zu vergessen – und irgendwann wieder ins Leben zurückzufinden, verändert, aber nicht zerstört.


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