Selbstwert und Identität: Wer bin ich – jenseits von Leistung und Rollen?

Es gibt eine Frage, die sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens stellen – manchmal leise, manchmal in einer Krise mit aller Wucht: Wer bin ich eigentlich? Nicht die Rolle, die ich im Beruf spiele. Nicht die Erwartungen, die andere an mich haben. Nicht das Bild, das ich nach außen aufrechterhalte. Sondern ich – als Mensch, jenseits von Funktion und Leistung. Diese Frage klingt philosophisch, hat aber sehr konkrete psychologische Konsequenzen. Denn der Selbstwert – also das Gefühl, als Person grundsätzlich wertvoll und liebenswert zu sein – ist eine der wichtigsten Grundlagen psychischer Gesundheit. Wo er fehlt oder erschüttert ist, entstehen Leiden, die sich in den unterschiedlichsten Formen zeigen: als Perfektionismus, als übermäßige Anpassung, als chronische Selbstkritik, als Angst vor Ablehnung oder als das Gefühl, nie wirklich dazuzugehören. Hilfe bei Selbstwertproblemen Wien ist daher weit mehr als ein Thema für persönliche Entwicklung – es ist oft der Schlüssel zu tiefgreifender psychischer Gesundheit.

 

Was Selbstwert wirklich bedeutet – und was er nicht ist

Selbstwert wird im Alltag häufig mit Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit oder gar Arroganz verwechselt. Dabei handelt es sich um grundverschiedene Dinge. Selbstbewusstsein ist die Fähigkeit, die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu kennen und nach außen vertreten zu können. Selbstwert hingegen ist tiefer und unbedingter: Er ist das Gefühl, unabhängig von Leistung, Aussehen, Erfolg oder Zuneigung anderer Menschen als Person wertvoll zu sein.

Ein Mensch mit gesundem Selbstwert kann scheitern, ohne sich als Versager zu fühlen. Er kann Kritik annehmen, ohne darin eine Bestätigung seiner Wertlosigkeit zu sehen. Er kann Grenzen setzen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und er kann anderen Menschen begegnen, ohne die ganze Zeit zu fragen: Mag der mich? Bin ich gut genug? Was denkt er über mich?

Selbstwert ist nicht dasselbe wie Narzissmus

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass ein hoher Selbstwert zur Selbstverliebtheit führt. Das Gegenteil ist richtig. Narzisstische Verhaltensweisen – das ständige Bedürfnis nach Bewunderung, die Überheblichkeit, die Unfähigkeit zur Empathie – entstehen gerade aus einem tief verletzten, fragilen Selbstwert, der sich durch äußere Bestätigung stabilisieren muss. Gesunder Selbstwert hingegen macht bescheidener, empathischer und stabiler, weil er nicht vom Urteil anderer abhängt.

 

Wie sich geringer Selbstwert im Leben zeigt

Geringer Selbstwert ist oft unsichtbar – nach außen. Viele Menschen mit tief verwurzelter Selbstzweifel wirken nach außen kompetent, erfolgreich und freundlich. Innerlich aber läuft ein anderer Film: ein leises, manchmal lautes Gefühl der Unzulänglichkeit, das bei jeder Herausforderung mitschwingt. Therapie bei geringem Selbstwert Wien begegnet immer wieder denselben Mustern:

  • Übermäßiges Anpassen an die Bedürfnisse anderer, um Ablehnung zu vermeiden
  • Schwierigkeiten, Nein zu sagen, auch wenn die eigenen Grenzen längst überschritten sind
  • Das ständige Vergleichen mit anderen und das Gefühl, dabei immer zu verlieren
  • Selbstsabotage: das unbewusste Verhindern von Erfolg, weil man sich nicht vorstellen kann, ihn zu verdienen
  • Intensive Scham bei Fehlern, die weit über ein angemessenes Maß hinausgeht
  • Das Gefühl, eine Maske tragen zu müssen, und die Angst davor, dass andere die „wahre“ Person dahinter sehen könnten

Diese Muster kosten enorme Energie. Sie prägen Beziehungen, berufliche Entscheidungen und die eigene Lebensqualität – oft über Jahrzehnte, ohne dass der Zusammenhang mit dem Selbstwert erkannt wird.

 

Woher kommt geringer Selbstwert?

Selbstwert entsteht in der frühen Kindheit – in der Beziehung zu den ersten Bezugspersonen. Wenn Kinder erfahren, dass sie geliebt und akzeptiert werden, unabhängig von ihren Leistungen und ihrem Verhalten, entwickeln sie ein stabiles inneres Fundament. Wenn Zuneigung jedoch an Bedingungen geknüpft war – „Du bist nur brav, wenn du Leistung bringst“, „Weine nicht, das ist schwach“, „Stell dich nicht so an“ – dann lernt das Kind, dass sein Wert von außen kommt und durch Anpassung gesichert werden muss.

Das bedeutet nicht, dass jeder mit niedrigem Selbstwert schwierige Eltern hatte. Auch gesellschaftliche Einflüsse, Schul- und Gleichaltrigenumgebungen, traumatische Erfahrungen oder chronische Erkrankungen können das Selbstbild prägen. Und es bedeutet nicht, dass sich daran nichts ändern lässt. Der Selbstwert ist plastisch – er kann, auch im Erwachsenenalter, grundlegend verändert werden.

 

Identität: Mehr als die Summe der Rollen

Eng verbunden mit dem Selbstwert ist die Frage nach Identität. Wer bin ich – jenseits dessen, was ich tue? In einer Gesellschaft, die Menschen stark über ihre Funktionen definiert, ist das keine leichte Frage. „Was bist du von Beruf?“ ist oft die erste Frage, die beim Kennenlernen gestellt wird. Die Antwort darauf soll etwas über den Menschen verraten – und das tut sie auch, wenn man ehrlich ist: Sie verrät, wie sehr wir uns selbst über unsere Rollen definieren.

Wenn Rollen zusammenbrechen

Die Identitätskrise entsteht oft dann, wenn eine zentrale Rolle wegfällt. Das Karriereende durch Arbeitslosigkeit oder Pensionierung. Das Ende der Elternrolle, wenn Kinder das Haus verlassen. Das Ende einer langen Beziehung. Der Verlust von Gesundheit. In all diesen Momenten stellt sich die Frage mit neuer Dringlichkeit: Wer bin ich, wenn ich das nicht mehr bin?

Diese Frage ist keine Bedrohung – sie ist eine Einladung. Eine Einladung, eine Identität zu entwickeln, die nicht von äußeren Rollen abhängt, sondern von innen kommt: aus Werten, aus Interessen, aus dem, was das Leben wirklich bedeutsam macht.

Identität aus existenzanalytischer Sicht

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle stellt genau diese Fragen ins Zentrum der therapeutischen Arbeit. Die dritte Grundmotivation lautet: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Dahinter steckt die fundamentale Frage nach dem Eigenrecht: Habe ich das Recht, ich selbst zu sein – mit meinen Eigenheiten, meinen Stärken, meinen Grenzen, meinen Bedürfnissen? Viele Menschen bejahen diese Frage für andere selbstverständlich, aber nicht für sich selbst.

In der existenzanalytischen Psychotherapie Wien arbeiten wir daran, dieses innere Eigenrecht zu entwickeln. Nicht durch Selbstoptimierung oder das Erarbeiten neuer Kompetenzen – sondern durch die tiefere Begegnung mit dem, was man ohnehin schon ist. Der Blick wird nicht auf das gelenkt, was noch fehlt, sondern auf das, was bereits da ist und darauf wartet, anerkannt zu werden.

 

Selbstbewusstsein stärken Wien: Wege zur Selbstannahme

Selbstannahme ist kein Einmalereignis. Sie ist eine Haltung, die immer wieder neu eingenommen werden muss – besonders in den Momenten, in denen das Leben Fehler, Scheitern oder Kritik mitbringt. Folgende Ansätze haben sich als besonders wirksam erwiesen.

Die innere Stimme kennenlernen

Der erste Schritt zur Veränderung des Selbstwerts ist das Bewusstmachen der inneren Kritikerstimme. Wie klingt sie? Was sagt sie, wenn etwas schiefläuft? Und würde man so mit einem guten Freund sprechen? Die meisten Menschen antworten auf diese Frage mit einem klaren Nein – sie sprechen mit sich selbst in einem Ton, den sie keinem anderen Menschen gegenüber verwenden würden. Diese Diskrepanz ist der Ausgangspunkt für die Arbeit am Selbstwert.

Werte klären – und danach leben

Ein stabiler Selbstwert braucht eine innere Grundlage, die unabhängig von äußerer Bestätigung ist. Diese Grundlage sind persönliche Werte: das, was einem wirklich wichtig ist, unabhängig von dem, was andere für wichtig halten. In der Wertimagination – einer Methode der Existenzanalyse – werden diese Werte nicht abstrakt benannt, sondern konkret erfahrbar gemacht. Das schafft eine Verbindung zwischen dem, was man ist, und dem, wie man lebt – und das ist der Kern eines stabilen Selbstwerts.

Grenzen als Ausdruck von Selbstrespekt

Grenzen setzen zu können ist nicht Egoismus – es ist die praktische Konsequenz von Selbstannahme. Wer sich selbst für wertvoll hält, schützt diesen Wert. In der psychologischen Beratung Wien ist das Thema Grenzen daher fast immer auch ein Thema des Selbstwerts: Wer keine Grenzen setzen kann, hat in der Regel nicht gelernt, dass seine eigenen Bedürfnisse gleichwertig sind mit denen anderer.

Selbstkritik durch Selbstmitgefühl ersetzen

Selbstmitgefühl – die Fähigkeit, mit sich selbst so umzugehen wie mit einem Menschen, den man liebt – ist eines der wirksamsten Mittel zur Stärkung des Selbstwerts. Es bedeutet nicht, Fehler zu entschuldigen oder Verantwortung abzugeben. Es bedeutet, sich bei Fehlern zuzuwenden statt wegzudrehen, Schmerz anzuerkennen statt zu verdrängen und sich zu erinnern, dass Unvollständigkeit und Fehlbarkeit zum Menschsein dazugehören.

 

Wann braucht es professionelle Begleitung?

Wenn geringer Selbstwert tief verwurzelt ist, reichen Bücher und gute Vorsätze oft nicht aus. Die Überzeugungen, die dem Selbstwert zugrunde liegen, sind häufig so früh und so tief eingraviert, dass sie sich dem bewussten Zugriff entziehen. Psychotherapeutische Begleitung Wien schafft den Rahmen, in dem diese Überzeugungen nicht nur benannt, sondern wirklich verändert werden können – durch die heilsame Erfahrung einer Beziehung, in der Wertschätzung nicht an Bedingungen geknüpft ist.

Selbstbewusstsein stärken Wien ist dabei nicht das Ziel allein. Das eigentliche Ziel ist tiefer: ein Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln, das trägt – unabhängig davon, was das Leben gerade bereithält.

 

Wer das Gefühl kennt, nie wirklich gut genug zu sein, und wer das ändern möchte, findet in der existenzanalytischen Praxis von Dipl. Päd. Bernd Thell in Wien Hernals einen Gesprächspartner, der versteht, wie tief diese Fragen gehen – und wie viel möglich ist, wenn man beginnt, sich selbst anders zu begegnen. Die Praxis liegt in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien, und ist auch online erreichbar.


Resilienz: Wie psychische Widerstandskraft entsteht und gestärkt werden kann

Manche Menschen scheinen Krisen besser zu überstehen als andere. Sie verlieren ihren Job, erleben eine schwere Erkrankung, durchleben eine Trennung oder einen Trauerfall – und finden dennoch einen Weg zurück ins Leben. Nicht unbeschadet, nicht so, als wäre nichts gewesen, aber doch mit einer Kraft, die von außen manchmal fast rätselhaft wirkt. Diese Fähigkeit hat einen Namen: Resilienz. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Zurückspringen oder Abprallen – die Fähigkeit eines Systems, nach Belastung wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren oder sich sogar weiterzuentwickeln. Resilienz ist kein Glücksfall und keine Gnadengabe, die manche Menschen haben und andere nicht. Sie ist eine Fähigkeit, die sich entwickelt – durch Erfahrungen, durch Beziehungen, durch bewusste Arbeit an sich selbst. Stressbewältigung Wien und psychotherapeutische Begleitung können dabei einen entscheidenden Beitrag leisten.

 

Was Resilienz wirklich bedeutet

Resilienz wird im Alltag häufig mit Härte oder Unempfindlichkeit gleichgesetzt. Das ist ein Missverständnis, das mehr schadet als nützt. Ein resilienter Mensch ist nicht jemand, der nichts fühlt, der Schmerzen ignoriert oder der Schwäche kategorisch ablehnt. Das wäre nicht Resilienz, sondern Unterdrückung – und sie rächt sich früher oder später.

Echte Resilienz bedeutet etwas anderes: die Fähigkeit, schwierige Erfahrungen zu fühlen, zu verarbeiten und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Sie bedeutet, gebogen zu werden, ohne zu brechen. Verletzlich zu sein, ohne daran zu zerbrechen. Schwierige Zeiten als Teil des Lebens anzunehmen, ohne von ihnen dauerhaft definiert zu werden.

Resiliente Menschen trauern, zweifeln und leiden – aber sie verlieren dabei nicht den Kontakt zu sich selbst, zu anderen und zu dem, was ihnen wichtig ist. Genau diese Verbindungen sind es, die tragen. Und genau daran lässt sich arbeiten.

 

Die Wurzeln der Resilienz: Was Forschung und Praxis zeigen

Die Resilienzforschung hat in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Erkenntnisse darüber geliefert, was psychisch widerstandsfähige Menschen von weniger widerstandsfähigen unterscheidet. Dabei zeigt sich: Resilienz ist kein einzelnes Merkmal, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Frühe Bindungserfahrungen

Der vielleicht wichtigste Grundstein für Resilienz wird in der frühen Kindheit gelegt. Kinder, die sichere Bindungserfahrungen gemacht haben – die erlebt haben, dass sie in schwierigen Momenten verlässlich Trost und Unterstützung erhalten – entwickeln ein inneres Arbeitsmodell von Sicherheit, das sie ein Leben lang trägt. Dieses Urvertrauen ist das Fundament, auf dem Resilienz aufbaut.

Das bedeutet nicht, dass Menschen ohne sichere frühe Bindung zur Resilienz verdammt sind. Aber es bedeutet, dass die Arbeit an Resilienz im Erwachsenenalter oft auch eine Arbeit an frühen Verletzungen ist – eine Arbeit, die in der Psychotherapie Wien ihren Platz hat.

Das soziale Netz

Kein Mensch ist resilient allein. Soziale Unterstützung ist einer der am besten belegten Schutzfaktoren gegen psychische Erkrankungen und einer der stärksten Resilienzfaktoren überhaupt. Menschen, die über stabile, tragfähige Beziehungen verfügen, erholen sich schneller von Krisen, erkranken seltener psychisch und bewältigen Verluste besser. Die zweite Grundmotivation der Existenzanalyse – „Mag ich leben?“ – wird wesentlich durch die Qualität unserer Beziehungen beantwortet. Wer sich gesehen, gehört und getragen fühlt, hat eine wesentlich stabilere Grundlage für das Durchstehen schwieriger Zeiten.

Selbstwirksamkeit

Ein weiterer zentraler Resilienzfaktor ist das Erleben von Selbstwirksamkeit: die Überzeugung, durch das eigene Handeln etwas bewirken zu können. Menschen, die glauben, den Verlauf ihres Lebens aktiv mitgestalten zu können, gehen mit Krisen anders um als jene, die sich als ausgeliefert erleben. Sie suchen aktiv nach Lösungen, holen sich Unterstützung und sehen Hindernisse eher als Herausforderungen denn als Bedrohungen. Hilfe bei Selbstwertproblemen Wien und die Stärkung von Selbstwirksamkeit gehen daher oft Hand in Hand.

 

Resilienz und die Existenzanalyse

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle bietet einen besonders tiefen Zugang zum Thema Resilienz, weil sie nicht nur auf Bewältigungsstrategien zielt, sondern auf die fundamentalen Lebensbedingungen, die einen Menschen tragen.

Die vier Grundmotivationen als Resilienzfundament

Alle vier Grundmotivationen der Existenzanalyse sind direkt mit psychischer Widerstandskraft verbunden.

Die erste Grundmotivation – „Kann ich in dieser Welt sein?“ – beschreibt das fundamentale Vertrauen in die Welt und in die eigene Fähigkeit, in ihr zu bestehen. Menschen, deren erstes Grundvertrauen stabil ist, erleben Krisen als schwierig, aber nicht als existenziell vernichtend. Sie wissen, dass es Halt gibt – in sich selbst, in anderen, in dem, was trägt.

Die zweite Grundmotivation – „Mag ich leben?“ – ist die emotionale Verbindung zum Leben. Wer diese Verbindung auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten kann, wer trotz Schmerz und Verlust noch etwas findet, das das Leben lebenswert macht, verfügt über eine tiefe Resilienzquelle.

Die dritte Grundmotivation – „Darf ich so sein, wie ich bin?“ – beschreibt die innere Erlaubnis zum Selbstsein. Wer sich selbst annehmen kann, auch mit Grenzen und Fehlern, hat keine Energie mehr für den erschöpfenden Kampf gegen sich selbst – Energie, die in der Krise für Bewältigung gebraucht wird.

Die vierte Grundmotivation – „Wofür lebe ich?“ – ist vielleicht der tiefste Resilienzfaktor überhaupt. Viktor Frankl erkannte aus eigener Erfahrung: Menschen können nahezu alles ertragen, wenn sie einen Sinn darin sehen. Diese Erkenntnis, formuliert in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs, ist heute die Grundlage der Logotherapie Wien und ein wissenschaftlich gut belegter Resilienzfaktor.

 

Was Resilienz schwächt

Um Resilienz zu stärken, ist es hilfreich zu verstehen, was sie untergräbt. Einige der häufigsten Resilienz-Hemmer sind:

  • Chronischer, anhaltender Stress ohne ausreichende Erholungsphasen, der das Nervensystem dauerhaft destabilisiert und die psychischen Ressourcen aufzehrt
  • Soziale Isolation und der Verlust tragfähiger Beziehungen, der den Menschen auf sich selbst zurückwirft ohne Möglichkeit zur Unterstützung
  • Unverarbeitete Traumata und Verluste, die wie ein unsichtbares Gewicht die Kapazität für neue Belastungen verringern
  • Niedriger Selbstwert und das Fehlen innerer Erlaubnis, so zu sein wie man ist, was den inneren Kampf gegen sich selbst dauerhaft aufrecht erhält
  • Sinnlosigkeitserleben und der Verlust von Orientierung, der das Leben ohne Richtung und Halt erscheinen lässt
  • Starre, unflexible Denkmuster, die keine neuen Perspektiven auf schwierige Situationen zulassen

Diese Faktoren zu erkennen und gezielt zu bearbeiten ist ein wesentlicher Teil der psychotherapeutischen Resilienzarbeit. Stressbewältigung Wien, Hilfe bei Sinnkrise Wien und Therapie bei geringem Selbstwert Wien sind in diesem Sinne auch immer Arbeit an der eigenen Widerstandskraft.

 

Resilienz stärken: Was wirklich hilft

Resilienz ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann für immer hat. Sie ist eine Kapazität, die gepflegt, geübt und gestärkt werden muss – und die in schwierigen Phasen auch temporär abnehmen kann, ohne dass das eine Niederlage wäre.

Den eigenen Stresspegel regulieren lernen

Wer dauerhaft über den eigenen Belastungsgrenzen lebt, baut keine Resilienz auf – er zehrt sie auf. Ein grundlegender Schritt ist das Erlernen von Selbstregulation: Atemtechniken, Achtsamkeitsübungen, Progressive Muskelentspannung, aber auch das bewusste Einplanen von Erholungsphasen. Erholung ist keine Schwäche, sondern die Voraussetzung dafür, dass Resilienz überhaupt wachsen kann. In der Stressbewältigung Wien ist diese Erkenntnis ein zentraler Ausgangspunkt.

Beziehungen als Ressource bewusst pflegen

Resiliente Menschen nutzen ihr soziales Netz aktiv – sie holen sich Unterstützung, sprechen über Schwierigkeiten und lassen andere nah an sich heran. Das fällt nicht jedem leicht, besonders dann nicht, wenn der innere Antreiber „Sei stark“ das Annehmen von Hilfe als Schwäche definiert. Die bewusste Entscheidung, Verbindung zuzulassen, ist ein Akt der Selbstfürsorge und gleichzeitig ein Aufbau von Resilienzkapital. Psychologische Beratung Wien kann dabei helfen, diese Fähigkeit zu entwickeln – auch dann, wenn frühere Beziehungserfahrungen das Vertrauen erschüttert haben.

Flexible Denkweise entwickeln

Resilienz hängt wesentlich davon ab, wie Menschen Krisen interpretieren. Eine flexible, lernorientierte Denkweise – die Überzeugung, dass Schwierigkeiten Herausforderungen sind, aus denen man wachsen kann, statt Beweise für die eigene Unzulänglichkeit – ist ein bedeutsamer Resilienzfaktor. In der Gesprächstherapie Wien wird daran gearbeitet, starre, einschränkende Überzeugungen zu erkennen und durch flexiblere, realistischere zu ersetzen.

Sinn auch in schwierigen Erfahrungen finden

Viktor Frankl formulierte es präzise: Es kommt nicht darauf an, was das Leben uns abverlangt – sondern wie wir darauf antworten. Diese Haltung ist keine Verharmlosung von Leid, sondern eine Erweiterung des inneren Spielraums. Wer auch in Krisensituationen fragen kann „Was kann ich aus dieser Erfahrung mitnehmen? Was lehrt mich das? Was kann ich trotz allem noch gestalten?“ – der verfügt über eine tiefe Resilienzquelle. Logotherapie Wien arbeitet genau an dieser Fähigkeit: nicht als Zweckoptimismus, sondern als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem, was das Leben bedeutet.

Körperliche Grundlagen nicht vernachlässigen

Resilienz ist nicht nur ein psychisches Phänomen – sie hat eine handfeste biologische Grundlage. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf exzessiven Alkohol- oder Koffeinkonsum schaffen die körperliche Basis, auf der psychische Widerstandskraft gedeihen kann. Diese Faktoren klingen banal – aber sie werden in Stressphasen als Erstes vernachlässigt, genau dann, wenn sie am meisten gebraucht werden.

 

Resilienz und posttraumatisches Wachstum

Ein faszinierendes Phänomen, das die Resilienzforschung in den vergangenen Jahren vermehrt untersucht hat, ist das posttraumatische Wachstum. Gemeint ist die Beobachtung, dass Menschen nach schweren Krisen, Traumata oder Verlusten manchmal nicht nur zu ihrem früheren Zustand zurückfinden, sondern sich darüber hinaus weiterentwickeln. Sie berichten von tieferem Mitgefühl, intensiveren Beziehungen, einem klareren Gespür für das, was wirklich wichtig ist, und einem neuen Verständnis der eigenen Stärke.

 

Posttraumatisches Wachstum bedeutet nicht, dass das Leid rückwirkend sinnvoll war oder dass Krisen herbeigewünscht werden sollten. Es bedeutet, dass der Mensch über eine bemerkenswerte Fähigkeit verfügt, selbst aus schwierigsten Erfahrungen etwas zu schöpfen – wenn er dabei begleitet wird und wenn die inneren Bedingungen stimmen. In der existenzanalytischen Psychotherapie Wien ist diese Möglichkeit immer mitgedacht: nicht als Versprechen, sondern als Möglichkeit, die den therapeutischen Horizont weitet.

 

Resilienz ist kein Alleingang

Resilienz entsteht nicht im Rückzug, nicht in der Isolation und nicht durch bloße Willenskraft. Sie entsteht in Beziehungen, in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und durch die Erfahrung, auch in schwierigen Momenten nicht allein zu sein.

 

Bernd Thell arbeitet in seiner Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in der Kalvarienberggasse 57/18 in 1170 Wien mit Menschen, die spüren, dass ihre innere Widerstandskraft nachlässt – oder die nach einer Krise wieder aufbauen wollen, was verloren gegangen ist. Was die existenzanalytische Arbeit dabei auszeichnet, ist der Blick auf das, was wirklich trägt: die eigenen Werte, die Beziehungen, den Sinn. Wer wissen möchte, wie dieser Weg konkret aussehen kann, ist eingeladen, ein erstes Gespräch zu vereinbaren – unverbindlich, kostenlos und in einem Format nach Wahl.


Wenn Paare in der Krise sind: Beziehungsprobleme erkennen und bewältigen

Keine Beziehung ist dauerhaft harmonisch. Konflikte, Missverständnisse und Phasen der Entfremdung gehören zum normalen Verlauf jeder engen Partnerschaft – so wie Stürme zum Wetter gehören. Was Paare voneinander unterscheidet, ist nicht, ob sie Konflikte haben, sondern wie sie damit umgehen. Manche Paare wachsen durch Krisen, weil sie gelernt haben, miteinander zu streiten, ohne sich zu verletzen, und wieder zusammenzufinden, ohne das Vergangene zu verschweigen. Andere stecken in Mustern fest, die sich Jahr für Jahr wiederholen, die Verbindung langsam ausdünnen und schließlich eine Entfremdung hinterlassen, die sich anfühlt wie das Leben mit einem Fremden. Hilfe bei Beziehungsproblemen Wien zu suchen ist kein Zeichen dafür, dass eine Beziehung gescheitert ist – es ist oft das klügste und mutigste, was ein Paar füreinander tun kann.

 

Warum Beziehungen in Schwierigkeiten geraten

Beziehungsprobleme entstehen selten aus einem einzigen Ereignis. Sie wachsen langsam, oft über Jahre – aus kleinen Verletzungen, die nie ausgesprochen wurden, aus Bedürfnissen, die nicht gehört wurden, aus Mustern, die sich eingeschlichen haben, ohne dass jemand sie bewusst gewählt hätte. Manchmal ist es ein konkreter Auslöser – ein Vertrauensbruch, eine Affäre, eine berufliche oder familiäre Krise –, der das Fass zum Überlaufen bringt. Aber hinter diesem Auslöser liegt fast immer eine längere Geschichte.

Häufige Ursachen von Beziehungsproblemen

Die Themen, die Paare in Schwierigkeiten bringen, ähneln sich über alle sozialen Schichten und Lebensformen hinweg:

  • Kommunikationsprobleme: Man redet aneinander vorbei, hört zu, um zu antworten, statt um zu verstehen, und verliert die Fähigkeit, dem anderen wirklich zuzuhören
  • Unerfüllte Bedürfnisse: Nähe, Wertschätzung, Autonomie, Sicherheit – wenn zentrale Bedürfnisse dauerhaft nicht gehört werden, entstehen Frustration und Rückzug
  • Unterschiedliche Entwicklungen: Menschen verändern sich. Was einmal zusammengepasst hat, passt nach Jahren gemeinsamen Lebens nicht mehr zwingend noch immer
  • Unverarbeitete Verletzungen: Alte Wunden – aus der aktuellen Beziehung oder aus früheren Beziehungen und der Kindheit – werden in Konflikte hineingetragen, ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird
  • Mangelnde Verbindung: Der Alltag übernimmt. Beruf, Kinder, Verpflichtungen – und plötzlich sind zwei Menschen zwar zusammen, aber nicht mehr wirklich miteinander verbunden
  • Grundlegende Wertekonflikte: Unterschiedliche Vorstellungen von Familie, Geld, Freiheit oder Zukunft, die nie offen verhandelt wurden

 

Die Phasen einer Beziehungskrise

Beziehungskrisen verlaufen oft in erkennbaren Phasen, auch wenn sie sich im Einzelfall sehr unterschiedlich anfühlen können.

Am Anfang steht häufig eine wachsende Unzufriedenheit, die zunächst verdrängt oder rationalisiert wird. Man sagt sich, dass es schon wieder besser wird. Dann folgen zunehmende Konflikte – entweder als offene Auseinandersetzungen oder als stilles Einfrieren, als emotionaler Rückzug und zunehmendes Schweigen. In vielen Beziehungen entsteht danach ein Stadium der Gleichgültigkeit, das gefährlicher ist als Streit: Wer nicht mehr kämpft, hat oft innerlich bereits aufgegeben.

Warnsignale, die ernst genommen werden sollten

Manche Warnsignale weisen darauf hin, dass eine Beziehung professionelle Unterstützung braucht:

  • Konflikte enden nie mit einem echten Ergebnis, sondern immer mit Erschöpfung oder Rückzug
  • Einer oder beide Partner fühlen sich chronisch missverstanden, nicht gesehen oder nicht wertgeschätzt
  • Körperliche oder emotionale Intimität ist nahezu verschwunden
  • Einer oder beide Partner denkt regelmäßig daran, die Beziehung zu beenden
  • Es gibt Geheimnisse, Lügen oder ein Vertrauensbruch, der nicht aufgearbeitet wurde
  • Die Kommunikation ist so belastet, dass auch einfache Gespräche in Streit enden

Diese Zeichen sind kein Urteil über eine Beziehung. Sie sind Signale, dass etwas Aufmerksamkeit braucht – und dass der richtige Zeitpunkt für Beziehungsprobleme Psychotherapie Wien gekommen ist.

 

Was Beziehungen wirklich trägt – die existenzanalytische Perspektive

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet Beziehungen durch die Linse der zweiten Grundmotivation: „Mag ich leben?“ Diese Frage wird zu einem erheblichen Teil durch die Qualität unserer wichtigsten Beziehungen beantwortet. Menschen brauchen Nähe, Wärme, das Gefühl, gesehen und gewollt zu sein – und sie brauchen gleichzeitig Raum, um sie selbst zu sein.

Gute Beziehungen gelingen dort, wo beides möglich ist: echte Nähe und echte Eigenständigkeit. Wo Liebe nicht an Bedingungen geknüpft ist, sondern aus echter Zugewandtheit entsteht. Und wo beide Partner die Freiheit haben, auch Unbequemes zu sagen, ohne um die Beziehung fürchten zu müssen.

Beziehungen als Spiegel

Eine tiefe Partnerschaft ist auch immer ein Spiegel – sie zeigt uns, was wir von uns selbst noch nicht annehmen können, was wir brauchen, was uns verletzt und was uns trägt. Konflikte in Beziehungen sind daher selten nur Konflikte mit dem anderen. Sie sind oft auch Konflikte mit sich selbst – mit unerfüllten Bedürfnissen, unverarbeiteten Verletzungen oder inneren Überzeugungen, die aus früheren Erfahrungen stammen.

Viktor Frankl betonte, dass echte Liebe immer die Person des anderen im Blick hat – nicht nur die Eigenschaften oder die Nützlichkeit des anderen. Diese personale Liebe, die den anderen in seiner Eigenheit wahrnimmt und schätzt, ist das Fundament, auf dem eine Beziehung auch Krisen überstehen kann. Wo dieses Fundament fehlt oder verwittert ist, kann psychotherapeutische Begleitung Wien helfen, es neu zu legen.

 

Muster erkennen, die Beziehungen belasten

Viele Beziehungsprobleme werden nicht durch bösen Willen erzeugt, sondern durch unbewusste Muster, die beide Partner aus ihrer Geschichte mitbringen. Das Wissen um diese Muster ist ein erster Schritt zur Veränderung.

Bindungsstile und ihre Auswirkungen

Die Bindungsforschung zeigt, dass Menschen sehr früh lernen, wie Beziehungen funktionieren – und dass diese frühen Erfahrungen das spätere Liebes- und Beziehungsverhalten stark prägen. Wer als Kind erfahren hat, dass Nähe gefährlich ist oder zu Enttäuschung führt, entwickelt möglicherweise einen vermeidenden Bindungsstil: Er hält Distanz, weil Nähe bedrohlich wirkt. Wer erfahren hat, dass Zuneigung unzuverlässig ist, neigt möglicherweise zu einem ängstlich-ambivalenten Stil: Er klammert, kontrolliert oder testet ständig, ob der andere wirklich bleibt.

Diese Bindungsmuster sind kein Schicksal. Aber sie erklären, warum sich in Beziehungen manchmal Konflikte wiederholen, die mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun haben. In der Gesprächstherapie Wien arbeiten wir daran, diese Muster sichtbar zu machen – und dadurch wählen zu können, wie man reagiert, statt automatisch zu reagieren.

Kommunikation als Schlüssel

Die meisten Beziehungsprobleme haben eine Kommunikationsdimension. Das bedeutet nicht, dass alle Probleme durch bessere Kommunikation gelöst werden können – aber ohne sie lassen sich fast keine Probleme lösen. Typische Kommunikationsmuster, die Beziehungen belasten, sind das sogenannte Sender-Empfänger-Rauschen, bei dem das Gesagte und das Gehörte weit auseinanderfallen, oder das Eskalationsmuster, bei dem beide Partner sich zunehmend verteidigen und der ursprüngliche Inhalt des Konflikts verloren geht.

In der therapeutischen Arbeit lernen Paare nicht nur, anders zu sprechen – sie lernen, anders zuzuhören. Und sie lernen, hinter dem, was der andere sagt, das zu hören, was er eigentlich meint: das Bedürfnis, den Schmerz, die Bitte.

 

Was Paartherapie leisten kann – und was nicht

Paartherapie ist kein Ort, an dem ein Therapeut entscheidet, wer recht hat. Sie ist ein geschützter Raum, in dem beide Partner gehört werden, in dem Muster sichtbar gemacht werden und in dem neue Formen des Miteinanders ausprobiert werden können. Sie hilft Paaren dabei, wieder in Kontakt zu kommen – oder gemeinsam zu entscheiden, ob und wie eine Beziehung weitergehen kann.

Was Paartherapie nicht kann: Sie kann keine Beziehung retten, die keiner der beiden Partner mehr will. Und sie kann keine Probleme lösen, wenn einer der Partner nicht bereit ist, sich ehrlich damit auseinanderzusetzen. Aber sie kann das Gespräch öffnen, das zu lange nicht geführt wurde – und das allein ist manchmal der entscheidende Wendepunkt.

Wann individuelle Therapie sinnvoller ist

Manchmal ist es sinnvoller, zunächst individuell therapeutische Unterstützung zu suchen, bevor man als Paar in die Begleitung geht. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn einer der Partner eigene unverarbeitete Themen mitbringt – Traumata, tiefe Selbstwertprobleme, psychische Erkrankungen –, die im Paargespräch nur schwer bearbeitet werden können. Psychotherapeutische Begleitung Wien kann dann ein erster Schritt sein, der die Grundlage für eine spätere gemeinsame Arbeit legt.

 

Beziehungen brauchen Pflege – nicht nur in der Krise

Eine wichtige Erkenntnis aus der Beziehungsforschung ist, dass die wirksamste Krisenprävention nicht in der Krise selbst stattfindet, sondern davor. Beziehungen, in denen regelmäßig Raum für echte Gespräche ist – für das, was belastet, aber auch für das, was gut ist –, entwickeln eine Robustheit, die ihnen hilft, schwierige Phasen zu überstehen.

Das bedeutet nicht, dass Paare, die in Schwierigkeiten geraten, gescheitert sind. Es bedeutet, dass Beziehungen lebendige Systeme sind, die Aufmerksamkeit brauchen. Und manchmal brauchen sie dafür Unterstützung von außen – jemanden, der hilft, das zu sehen, was von innen nicht mehr sichtbar ist.

 

Beziehungsprobleme gehören zu den häufigsten Themen, mit denen Menschen die Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in Wien aufsuchen. Bernd Thell begleitet dort sowohl einzelne Personen als auch Paare, die in ihrer Beziehung nicht weiterkommen. Sein Ansatz verbindet die tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Person mit der Frage, was eine Beziehung trägt – und was ihr wieder Leben einhauchen kann. Erstkontakt ist per Telefon, E-Mail oder über die Praxis in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien möglich.


Körperbild und psychische Gesundheit: Wenn der Blick in den Spiegel schmerzt

Der menschliche Körper ist das unmittelbarste Zuhause, das es gibt. Er ist nicht nur das Gefäß, in dem das Leben stattfindet – er ist ein Teil der Identität, ein Ausdruck der eigenen Geschichte und ein ständiger Begleiter in jeder Situation. Umso schmerzhafter ist es, wenn dieser Körper sich falsch anfühlt. Wenn der Blick in den Spiegel nicht Wiedererkennung, sondern Ablehnung auslöst. Wenn Essen nicht Genuss bedeutet, sondern Bedrohung. Wenn das eigene Körpergefühl so weit vom Körperbild anderer Menschen abweicht, dass das Leben sich auf eine einzige Frage zu verengen scheint: Wie sehe ich aus – und bin ich gut genug? Ein negatives Körperbild ist weit verbreitet und wird häufig unterschätzt. Es reicht von leiser, chronischer Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen bis hin zu schweren Essstörungen, die das Leben vollständig dominieren. In jedem Fall verdient es ernste Aufmerksamkeit – und professionelle Begleitung, wenn es die psychische Gesundheit belastet.

 

Was ist ein Körperbild – und wie entsteht es?

Das Körperbild ist das innere Bild, das ein Mensch von seinem eigenen Körper hat. Es umfasst die Wahrnehmung des eigenen Aussehens, die Gedanken und Bewertungen darüber sowie die Gefühle, die mit dem eigenen Körper verbunden sind. Es ist, kurz gesagt, nicht das, was der Spiegel zeigt – sondern das, was man glaubt, im Spiegel zu sehen.

Körperbilder entstehen in einem komplexen Zusammenspiel von persönlichen Erfahrungen, familiären Botschaften, sozialen Vergleichen und kulturellen Normen. Bereits in der frühen Kindheit beginnen Kinder zu lernen, wie Körper bewertet werden – durch Kommentare von Eltern und Geschwistern, durch Gleichaltrige, durch Medien und zunehmend durch soziale Netzwerke. Was als schön, normal oder wünschenswert gilt, ist kein natürliches Phänomen, sondern das Ergebnis kultureller Konstruktion – und diese Konstruktion verändert sich ständig.

Der Einfluss sozialer Medien

Die Verbreitung von Social Media hat die Dynamik rund um Körperbild und Selbstwahrnehmung grundlegend verändert. Für Menschen, insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene, ist der Vergleich mit digital bearbeiteten, gefilterten und sorgfältig inszenierten Körperbildern zur täglichen Erfahrung geworden. Was früher der Vergleich mit dem Magazincover war, ist heute ein endloser Strom von Körpern, die alle makellos erscheinen – und die als Maßstab für die eigene Normalität dienen. Studien zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen intensivem Social-Media-Konsum und negativem Körperbild, gesteigerter Körperunzufriedenheit und dem Risiko für Essstörungen.

 

Negatives Körperbild: Mehr als Eitelkeit

Ein negatives Körperbild wird im Alltag häufig verharmlost oder als Oberflächlichkeit abgetan. „Stell dich nicht so an“ oder „Du siehst doch gut aus“ sind Antworten, die das Problem nicht nur nicht lösen, sondern oft vertiefen – weil sie signalisieren, dass die eigene Wahrnehmung nicht ernst genommen wird. Die Wahrheit ist: Ein dauerhaft negatives Körperbild ist eine ernsthafte psychische Belastung mit weitreichenden Konsequenzen.

Menschen mit starker Körperunzufriedenheit meiden soziale Situationen, in denen ihr Körper sichtbar sein könnte. Sie verbringen erhebliche Zeit damit, ihren Körper zu verstecken, zu überprüfen oder zu verändern. Sie sind abgelenkt in Gesprächen, weil ein Teil ihrer Aufmerksamkeit immer damit beschäftigt ist, wie sie wirken. Sie treffen Lebensentscheidungen – über Berufe, Beziehungen, Freizeitaktivitäten – auf der Basis von Scham und Vermeidung statt auf der Basis dessen, was sie wirklich wollen. Das ist kein Randproblem. Es ist eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität.

 

Essstörungen: Wenn der Umgang mit dem Körper zur Erkrankung wird

Am intensivsten zeigt sich die Störung des Körperbilds bei Essstörungen. Essstörungen sind schwere psychische Erkrankungen, die mit erheblichen körperlichen Gesundheitsrisiken verbunden sind und ohne Behandlung einen chronischen Verlauf nehmen können. Essstörung Therapie Wien ist daher ein Thema, dem besondere Aufmerksamkeit gebührt.

Die wichtigsten Formen im Überblick

Die bekanntesten Essstörungen sind Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung, daneben gibt es weitere Formen und Mischbilder:

  • Anorexia nervosa (Magersucht) ist gekennzeichnet durch extreme Einschränkung der Nahrungsaufnahme, intensive Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Körperbild. Betroffene sehen sich als zu dick, auch wenn sie objektiv stark untergewichtig sind. Die Anorexie hat unter allen psychischen Erkrankungen die höchste Sterblichkeitsrate.
  • Bulimia nervosa ist geprägt von Ess-Brech-Zyklen: Phasen unkontrollierten Essens (Fressattacken) wechseln sich mit kompensatorischen Maßnahmen wie Erbrechen, Abführmitteln oder exzessivem Sport ab. Betroffene befinden sich oft im Normalgewicht und sind für das Umfeld schwer erkennbar.
  • Binge-Eating-Störung ähnelt der Bulimie in Bezug auf die Fressattacken, jedoch ohne regelmäßige Kompensation. Betroffene erleben intensive Scham und Kontrollverlust, was häufig in Isolation und Depression mündet.
  • Orthorexia nervosa ist eine weniger bekannte, aber zunehmend verbreitete Form: die krankhafte Fixierung auf „gesundes“ oder „reines“ Essen, die das soziale Leben und die Lebensqualität stark einschränkt.

Wer ist betroffen?

Essstörungen betreffen vor allem Frauen – aber bei Weitem nicht ausschließlich. Männer erkranken häufiger als angenommen, werden aber seltener diagnostiziert, weil das gesellschaftliche Bild der Essstörung weiblich geprägt ist. Auch das Alter spielt keine schützende Rolle: Essstörungen können im Kindesalter beginnen und bis ins hohe Erwachsenenalter andauern oder erstmals auftreten. Hilfe bei Essstörung Wien zu suchen erfordert Mut – weil Scham, Geheimhaltung und die Überzeugung, das Problem alleine lösen zu müssen, zu den Kernmerkmalen dieser Erkrankungen gehören.

 

Das Körperbild aus existenzanalytischer Sicht

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle bietet einen tiefen Zugang zum Thema Körperbild und Essstörungen, weil sie nicht nur nach dem Verhalten fragt, sondern nach dem, was diesem Verhalten zugrunde liegt: den existenziellen Grundfragen, die sich im Umgang mit dem Körper ausdrücken.

Die dritte Grundmotivation: Darf ich so sein, wie ich bin?

Bei Körperproblemen und Essstörungen ist fast immer die dritte Grundmotivation tief erschüttert: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Das Körpergefühl ist hier unmittelbar mit der Frage nach dem Eigenrecht verbunden. Wer seinen Körper ablehnt, lehnt oft einen zentralen Teil seiner selbst ab. Wer glaubt, nur dann liebenswert zu sein, wenn der Körper einer bestimmten Norm entspricht, knüpft seinen Selbstwert an eine Bedingung, die niemals dauerhaft erfüllt werden kann.

In der existenzanalytischen Psychotherapie geht es darum, diese innere Ablehnung zu verstehen: Woher kommt sie? Welche Botschaften wurden empfangen? Welche Erfahrungen haben sich in das Körperbild eingeschrieben? Und wie kann eine neue, freundlichere Beziehung zum eigenen Körper entstehen?

Die zweite Grundmotivation: Beziehung als Heilungsraum

Essstörungen entstehen fast immer in einem sozialen Kontext – und sie brauchen auch einen sozialen Kontext zur Heilung. Die zweite Grundmotivation fragt: „Mag ich leben?“ Für Menschen mit Essstörungen ist das Leben durch die Erkrankung so stark eingeschränkt, dass echte Lebensfreude kaum noch zugänglich ist. Die therapeutische Beziehung selbst – ein Raum, in dem Annahme nicht an Bedingungen geknüpft ist – kann ein erster, heilsamer Gegenentwurf zu der Welt sein, in der der eigene Wert immer an das Aussehen gebunden schien.

 

Was in der Therapie bei Körperbild und Essstörungen passiert

Die Behandlung von Essstörungen und schwerem negativem Körperbild erfordert einen umfassenden Ansatz, der je nach Schweregrad unterschiedlich intensiv gestaltet wird. Psychotherapie Wien ist bei Essstörungen immer ein Kernbaustein – oft ergänzt durch medizinische und ernährungstherapeutische Unterstützung.

Therapieziele im Überblick

In der psychotherapeutischen Begleitung werden typischerweise folgende Bereiche bearbeitet:

  • Normalisierung des Essverhaltens und Entwicklung eines gesünderen Umgangs mit Hunger, Sättigung und Genuss
  • Arbeit am Körperbild: das verzerrte innere Bild korrigieren und eine realistischere, freundlichere Wahrnehmung des eigenen Körpers entwickeln
  • Bearbeitung der zugrundeliegenden psychischen Themen: Selbstwert, Kontrolle, Perfektionismus, Traumata, familiäre Muster
  • Aufbau von Emotionsregulationsfähigkeiten, weil Essen bei Essstörungen häufig als Regulationsmechanismus für schwer erträgliche Gefühle dient
  • Stärkung sozialer Beziehungen und Abbau von Isolation und Scham

Wann braucht es stationäre oder teilstationäre Behandlung?

Bei schwerer Anorexie mit gefährlichem Untergewicht oder bei einer Essstörung, die ambulant nicht ausreichend behandelt werden kann, ist eine stationäre oder teilstationäre Behandlung notwendig. In diesen Fällen ist die körperliche Stabilisierung der erste Schritt – bevor tiefere psychotherapeutische Arbeit möglich wird. Essstörung Beratung Wien kann dabei helfen, die richtige Versorgungsstufe einzuschätzen und den Weg in eine geeignete Behandlung zu finden.

 

Was Menschen mit Körperproblemen wirklich brauchen

Menschen, die unter ihrem Körperbild leiden, brauchen vor allem eines: das Gefühl, dass ihr Schmerz ernst genommen wird – ohne Verharmlosung, ohne schnelle Ratschläge und ohne das Gefühl, sich für ihre Gedanken und Gefühle schämen zu müssen. Die Arbeit an einem negativen Körperbild ist langsam, tiefgreifend und letztlich eine Arbeit an der Beziehung zu sich selbst.

Dazu kommen konkrete Veränderungen im Alltag, die den Heilungsprozess unterstützen können:

  • Bewusster und reduzierter Umgang mit Social-Media-Inhalten, die Körpervergleiche anregen
  • Das aktive Suchen nach Bewegungsformen, die Freude bereiten – statt nach solchen, die dem Körper eine bestimmte Form aufzwingen sollen
  • Das Kultivieren einer Sprache über den eigenen Körper, die seine Fähigkeiten betont statt sein Aussehen
  • Das Umgeben mit Menschen, die den eigenen Wert nicht an das Äußere knüpfen

 

Der Körper als Verbündeter – nicht als Gegner

Ein heilsamer Umgang mit dem eigenen Körper bedeutet nicht, ihn zu mögen oder gar zu lieben in jedem Moment. Es bedeutet, aufzuhören, ihn als Gegner zu behandeln. Den Körper als das zu sehen, was er ist: ein Teil des eigenen Lebens, der Fürsorge verdient – nicht weil er einer Norm entspricht, sondern weil er das Gefäß des eigenen Erlebens ist.

Dieser Perspektivwechsel klingt einfach und ist oft jahrelange Arbeit. Aber er ist möglich – und er beginnt damit, Unterstützung zu suchen.

 

Wer unter dem eigenen Körperbild leidet oder sich in einem belastenden Umgang mit Essen wiederfindet, kann sich an die existenzanalytische Praxis in Wien Hernals wenden. Dipl. Päd. Bernd Thell begleitet Menschen mit viel Verständnis für die Tiefe dieser Themen – in einem Raum, der keine Bedingungen an Wert und Würde knüpft. Informationen und Terminvereinbarungen sind über die Praxis in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien, zugänglich.


Chronische Erkrankung und Psyche: Wenn der Körper das Leben neu schreibt

Eine Diagnose kann ein Leben in zwei Hälften teilen. Das Davor und das Danach. Der Moment, in dem ein Arzt sagt: „Sie haben Multiple Sklerose“, „Das ist Diabetes Typ 1″, „Wir haben Krebs festgestellt“ oder „Das wird Sie dauerhaft begleiten“ – dieser Moment verändert nicht nur die medizinische Realität eines Menschen. Er verändert das Selbstbild, die Zukunftsvorstellungen, die Beziehungen und die Frage, wer man überhaupt ist. Chronische Erkrankungen stellen Menschen vor Herausforderungen, die weit über das Körperliche hinausgehen. Sie zwingen zur Auseinandersetzung mit Endlichkeit, mit Kontrollverlust, mit Abhängigkeit und mit der grundlegenden Frage: Wie lebe ich ein gutes Leben, wenn der Körper nicht mehr mitmacht, wie ich es von ihm gewohnt war? Diese Fragen sind zutiefst existenziell – und sie brauchen nicht nur medizinische, sondern auch psychologische Begleitung. Psychologische Beratung Wien und psychotherapeutische Unterstützung können dabei eine entscheidende Rolle spielen.

 

Die psychische Last chronischer Erkrankung

Chronische Erkrankungen sind per Definition langanhaltend – viele davon lebenslang. Das unterscheidet sie fundamental von akuten Erkrankungen, die man durchsteht und hinter sich lässt. Bei einer chronischen Erkrankung gibt es kein einfaches Hinter-sich-Lassen. Es gibt Anpassung, Akzeptanz, gute und schlechte Phasen – aber keinen Moment, in dem die Erkrankung einfach aufgehört hat, Teil des Lebens zu sein.

Diese Permanenz hat psychische Konsequenzen, die in der medizinischen Versorgung chronisch kranker Menschen noch immer zu wenig Beachtung finden. Studien zeigen, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen deutlich häufiger an Depressionen, Angststörungen und Anpassungsstörungen leiden als die Allgemeinbevölkerung – und dass diese psychischen Begleiterkrankungen wiederum den Verlauf der körperlichen Erkrankung negativ beeinflussen können. Es ist ein Wechselspiel, das in beide Richtungen wirkt: Der Körper beeinflusst die Psyche, und die Psyche beeinflusst den Körper.

Was Menschen mit chronischer Erkrankung psychisch belastet

Die psychischen Belastungen, die chronisch kranke Menschen erleben, sind vielfältig und individuell. Einige der häufigsten Themen, die in der Psychotherapie Wien immer wieder begegnen, sind:

  • Der Verlust von Sicherheit und Kontrolle: Der Körper, dem man vertraute, funktioniert nicht mehr verlässlich. Das erschüttert das Grundvertrauen in das eigene Leben
  • Trauer um das frühere Selbst und die früheren Möglichkeiten: das Ich vor der Diagnose, die Aktivitäten, die nicht mehr möglich sind, die Zukunft, die sich verändert hat
  • Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung, vor Schmerzen, vor Pflegebedürftigkeit und vor dem Tod
  • Scham und das Gefühl, eine Last für andere zu sein – insbesondere wenn die Erkrankung Abhängigkeit von Unterstützung mit sich bringt
  • Soziale Isolation durch eingeschränkte Mobilität, Erschöpfung oder das Gefühl, von Gesunden nicht verstanden zu werden
  • Identitätsverlust: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr das tun kann, was mich bisher ausgemacht hat?

 

Chronische Erkrankung und Depression

Depression gehört zu den häufigsten psychischen Begleiterscheinungen chronischer körperlicher Erkrankungen. Bei Menschen mit Herzerkrankungen, Diabetes, Krebs, neurologischen Erkrankungen oder chronischen Schmerzsyndromen liegt die Prävalenz von Depressionen deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Dabei ist der Zusammenhang bidirektional: Chronische Erkrankungen erhöhen das Risiko für Depressionen, und Depressionen verschlechtern die körperliche Gesundheit, die Therapiecompliance und die Lebensqualität.

Depression Therapie Wien bei chronisch kranken Menschen erfordert besondere Sensibilität. Die Traurigkeit, die Erschöpfung, der Rückzug – all das kann sowohl Ausdruck der Depression als auch direkte Folge der körperlichen Erkrankung sein. Eine sorgfältige psychotherapeutische Begleitung unterscheidet diese Ebenen, ohne sie zu trennen, und arbeitet an beiden.

Wenn Erschöpfung alles überschattet

Ein besonders häufiges und belastendes Symptom bei chronisch kranken Menschen ist Fatigue – eine tiefe, anhaltende Erschöpfung, die sich von normaler Müdigkeit fundamental unterscheidet und durch Schlaf nicht behoben wird. Fatigue tritt bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen auf, darunter Multiple Sklerose, Krebs, Rheuma, Long Covid und viele andere. Sie schränkt die Lebensqualität massiv ein und wird vom Umfeld häufig unterschätzt, weil sie von außen unsichtbar ist.

Die psychische Bearbeitung von Fatigue umfasst das Akzeptieren der eigenen Grenzen ohne Selbstverurteilung, das Setzen realistischer Prioritäten und das Loslassen von Ansprüchen, die an das frühere, gesündere Selbst geknüpft waren. Das klingt einfach und ist häufig eine jahrelange innere Arbeit.

 

Die existenzielle Dimension chronischer Erkrankung

Chronische Erkrankungen berühren die tiefsten Fragen der menschlichen Existenz. Sie sind daher ein zentrales Thema der Existenzanalyse und Logotherapie Wien – nicht trotz, sondern wegen ihrer Radikalität.

Die erste Grundmotivation: Kann ich in dieser Welt noch sein?

Chronische Erkrankung erschüttert oft die erste Grundmotivation fundamental: „Kann ich in dieser Welt sein?“ Der Körper, der bisher der verlässlichste Begleiter war, wird zur Quelle von Unsicherheit, Schmerz und Bedrohung. Das Vertrauen in die eigene körperliche Existenz ist erschüttert. In der psychotherapeutischen Begleitung geht es darum, neue Formen von Halt zu finden – innere Anker, die auch dann tragen, wenn der Körper nicht mehr so trägt wie früher.

Viktor Frankl und die Einstellungswerte

Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie Wien, formulierte eine Einsicht, die für chronisch kranke Menschen von besonderer Bedeutung ist: Es gibt Situationen im Leben, die sich nicht ändern lassen. Der Krebs lässt sich nicht wegdenken. Die Diagnose MS bleibt. Der chronische Schmerz existiert. Was aber immer bleibt, ist die Freiheit, die eigene Haltung zu diesen Tatsachen zu wählen. Frankl nannte das Einstellungswerte – und er entwickelte diesen Begriff nicht als philosophische Abstraktion, sondern als gelebte Wahrheit unter extremsten Bedingungen.

Das bedeutet nicht, dass chronisch kranke Menschen ihre Situation schönreden oder Dankbarkeit erzwingen sollen. Es bedeutet, dass trotz unveränderlicher äußerer Umstände ein innerer Spielraum bleibt. Therapie bei Sinnkrise Wien arbeitet genau an diesem Spielraum: Wie kann ich ein Leben führen, das bedeutsam ist – auch mit dieser Erkrankung? Was ist mir wirklich wichtig? Was bleibt möglich?

Sinn trotz – und manchmal durch – Erkrankung

Viele Menschen berichten nach einer schweren chronischen Diagnose von einer paradoxen Erfahrung: dass das Leben durch die Konfrontation mit Grenzen tiefer, wertvoller und bewusster geworden ist. Beziehungen intensivieren sich. Prioritäten klären sich. Das, was wirklich wichtig ist, tritt deutlicher hervor. Diese Erfahrung ist keine Romantisierung von Krankheit – sie ist ein reales Phänomen, das die Logotherapie als posttraumatisches Wachstum beschreibt und das in der existenzanalytischen Psychotherapie bewusst gefördert werden kann.

 

Wenn Angehörige mitbetroffen sind

Chronische Erkrankungen sind selten nur das Problem des Erkrankten. Sie betreffen das gesamte soziale System – Partner, Kinder, Eltern, Freunde. Angehörige chronisch kranker Menschen tragen oft eine erhebliche Last: sie pflegen, unterstützen, passen sich an – und haben gleichzeitig kaum Raum für die eigenen Gefühle, weil der kranke Mensch im Mittelpunkt zu stehen scheint.

Hilfe bei Beziehungsproblemen Wien zeigt regelmäßig, dass chronische Erkrankungen Beziehungen auf eine Probe stellen, die ohne Unterstützung schwer zu bestehen ist. Die Rollenverteilung verändert sich. Sexualität, Spontaneität und gemeinsame Zukunftspläne können in Frage gestellt werden. Auch Angehörige brauchen manchmal einen eigenen Raum – für Trauer, für Überforderung und für die Frage, wie das gemeinsame Leben neu gestaltet werden kann.

 

Was psychotherapeutische Begleitung bei chronischer Erkrankung leisten kann

Psychotherapie ist keine Behandlung der körperlichen Erkrankung. Aber sie kann entscheidend dazu beitragen, wie ein Mensch mit dieser Erkrankung lebt – und damit auch, wie er körperlich mit ihr umgeht.

Konkrete Bereiche der therapeutischen Arbeit

In der Psychotherapie Wien mit chronisch kranken Menschen stehen folgende Bereiche im Vordergrund:

  • Trauer und Akzeptanz: Das Betrauern des Verlorenen – der früheren Gesundheit, der Zukunftspläne, der gewohnten Identität – ist ein notwendiger Prozess, der nicht übersprungen werden sollte
  • Angstbewältigung: Hilfe bei Angststörung Wien ist bei chronisch kranken Menschen oft essenziell, weil Krankheitsangst und Zukunftsangst die Lebensqualität massiv einschränken können
  • Umgang mit Schmerz: Psychologische Schmerzbehandlung arbeitet an der Beziehung zum Schmerz – nicht um ihn wegzumachen, sondern um ihn weniger dominierend werden zu lassen
  • Identitätsarbeit: Wer bin ich jenseits meiner Erkrankung? Welche Werte, Interessen und Beziehungen tragen mich, unabhängig von körperlichen Einschränkungen?
  • Ressourcenaktivierung: Was ist noch möglich? Welche Freude, welche Bedeutung, welche Verbindung ist auch jetzt zugänglich?
  • Kommunikation mit dem Umfeld: Wie spreche ich über meine Erkrankung? Wie setze ich Grenzen, ohne mich zu isolieren? Wie bitte ich um Unterstützung, ohne mich als Last zu fühlen?

Selbsthilfe und ergänzende Unterstützung

Neben der Psychotherapie gibt es einige Bereiche, die den Umgang mit chronischer Erkrankung unterstützen können:

  • Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen, der das Gefühl des Alleinseins reduziert und praktische Erfahrungen zugänglich macht
  • Achtsamkeitspraxis, die hilft, auch in einem schmerzhaften Körper Momente der Ruhe und des Friedens zu finden
  • Bewegung im Rahmen der individuellen Möglichkeiten – nicht als Leistung, sondern als Begegnung mit dem Körper
  • Das bewusste Pflegen von Beziehungen und Aktivitäten, die Lebensfreude und Sinn schenken

 

Leben mit chronischer Erkrankung: Kein Trost, aber ein Weg

Es gibt keinen Trost, der den Schmerz einer schweren chronischen Diagnose wegnimmt. Es wäre anmaßend zu behaupten, dass sich alles fügt oder einen Sinn ergibt. Was es gibt, ist die Möglichkeit, mit dem zu leben, was ist – tiefer, bewusster und mit mehr Würde, als es allein möglich wäre. Diese Möglichkeit braucht Zeit, Begleitung und den Mut, sich den schwierigen Fragen zu stellen, statt vor ihnen wegzulaufen.

 

Menschen, die nach einer Diagnose oder im Verlauf einer chronischen Erkrankung psychische Unterstützung suchen, finden in der Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in Wien einen Ort, der für genau diese Fragen eingerichtet ist. Dipl. Päd. Bernd Thell begleitet Menschen dabei, ihr Leben auch unter veränderten körperlichen Bedingungen als bedeutsam und lebenswert zu erleben – nicht durch Beschwichtigung, sondern durch echte, tiefgehende Auseinandersetzung mit dem, was ist. Wer Kontakt aufnehmen möchte, erreicht die Praxis in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien, telefonisch oder per E-Mail – ein erstes Gespräch kann auch per Video stattfinden.


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