Prüfungsangst und Leistungsdruck: Wenn Stress lähmt statt antreibt

Die Prüfung ist in drei Tagen. Der Stoff liegt vor einem, die Zeit wäre ausreichend – und trotzdem passiert nichts. Statt zu lernen, starrt man auf die Seiten, ohne dass die Worte ankommen. Der Kopf dreht sich im Kreis: Was, wenn ich versage? Was, wenn ich durchfalle? Was denken die anderen über mich? Was denken meine Eltern? Der Druck wird größer, die Konzentration schlechter, die Schlaflosigkeit nimmt zu – und je mehr man versucht, sich zusammenzureißen, desto weiter entfernt sich die Fähigkeit, wirklich zu arbeiten. Prüfungsangst ist eine der verbreitetsten und am meisten unterschätzten psychischen Belastungen, besonders bei Schülerinnen und Schülern, Studierenden und Menschen in beruflichen Qualifikationsverfahren. Sie ist keine Schwäche, keine Faulheit und kein Versagen. Sie ist eine psychische Reaktion auf Druck, die ohne gezielte Unterstützung eskalieren kann – und die, wenn sie chronisch wird, weit über den Prüfungskontext hinauswirkt. Psychologische Beratung Wien und professionelle psychotherapeutische Begleitung können helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Was ist Prüfungsangst – und wo beginnt sie zum Problem zu werden?

Ein gewisses Maß an Aufregung vor Prüfungen ist normal und sogar hilfreich. Leichter Stress aktiviert das Nervensystem, schärft die Konzentration und motiviert zur Vorbereitung. Problematisch wird es, wenn diese Aktivierung ein Ausmaß annimmt, das das Gegenteil bewirkt: wenn Angst nicht mehr anspornt, sondern lähmt.

Prüfungsangst ist eine spezifische Form der Leistungsangst. Sie äußert sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig: körperlich, kognitiv und emotional. Auf körperlicher Ebene zeigen sich Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Übelkeit, Schlafstörungen oder ein Gefühl von Enge in der Brust. Auf kognitiver Ebene dominieren Katastrophengedanken, Blackouts, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, alles vergessen zu haben, was man gelernt hat. Auf emotionaler Ebene sind Gefühle von Scham, Hilflosigkeit, Panik und dem Wunsch, einfach zu fliehen, typisch.

Wann Prüfungsangst behandlungsbedürftig wird

Prüfungsangst wird dann behandlungsbedürftig, wenn sie das alltägliche Funktionieren dauerhaft beeinträchtigt, wenn Prüfungen gemieden oder abgebrochen werden, wenn die Angst schon Wochen vor dem eigentlichen Termin beginnt und das gesamte Leben überschattet, oder wenn körperliche Symptome so stark werden, dass eine normale Prüfungsvorbereitung kaum mehr möglich ist. Angststörung Therapie Wien umfasst auch diese spezifische Form der Angst – und sie lässt sich mit den richtigen Methoden sehr gut behandeln.

 

Leistungsdruck: ein gesellschaftliches Phänomen mit individuellen Folgen

Prüfungsangst entsteht nicht im Vakuum. Sie ist eingebettet in ein gesellschaftliches Klima, das Leistung zu einem zentralen Wert erhoben hat. Von früh an lernen Kinder und Jugendliche, dass Noten über Chancen entscheiden – über Schulplätze, Studienplätze, Berufseinstieg und gesellschaftliches Ansehen. Der Druck, den viele junge Menschen erleben, kommt dabei von mehreren Seiten gleichzeitig.

Woher kommt der Druck?

Die Quellen von Leistungsdruck sind vielfältig und verstärken sich gegenseitig:

  • Elterliche Erwartungen, die manchmal offen ausgesprochen, manchmal nur gespürt werden – und die das Kind verinnerlicht hat als Botschaft: Dein Wert hängt von deiner Leistung ab
  • Gesellschaftlicher Vergleichsdruck, der durch soziale Medien verstärkt wird und das Gefühl erzeugt, immer hinter anderen zurückzubleiben
  • Institutioneller Druck durch Bildungssysteme, die auf Selektion ausgerichtet sind und wenig Raum für individuelle Lernwege lassen
  • Innerer Perfektionismus, der als Reaktion auf äußeren Druck entstanden ist und sich verselbständigt hat
  • Die Angst vor dem Scheitern, die in einer Gesellschaft besonders groß ist, in der Fehler als Makel statt als Teil des Lernprozesses gesehen werden

Dieser Druck trifft auf Menschen, deren Identität und Selbstwert noch in der Entwicklung sind – besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, für die Prüfungsergebnisse existenziell bedeutsam erscheinen.

 

Der Zusammenhang zwischen Prüfungsangst und Selbstwert

Hinter fast jeder ausgeprägten Prüfungsangst steckt ein Selbstwertthema. Wer seinen Wert als Person an Leistungsergebnisse knüpft, erlebt jede Prüfung nicht nur als Leistungstest, sondern als Persönlichkeitstest: Bin ich gut genug? Bin ich intelligent genug? Verdiene ich den Platz, den ich einnehme?

Diese Gleichsetzung von Leistung und Wert ist psychologisch fatal. Sie bedeutet, dass jede Prüfung zu einer existenziellen Bedrohung wird – nicht nur zu einer Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Das Nervensystem reagiert entsprechend: Es schaltet in den Überlebensmodus, was für das Überstehen einer Prüfung denkbar ungeeignet ist.

Perfektionismus als Verstärker

Perfektionismus und Prüfungsangst gehen häufig Hand in Hand. Wer nur dann zufrieden ist, wenn alles perfekt läuft, hat bei jeder Prüfung besonders viel zu verlieren. Der perfektionistische Anspruch erhöht die subjektiv wahrgenommene Bedrohung und macht es schwerer, auch bei einem nicht optimalen Ergebnis die eigene Kompetenz und den eigenen Wert anzuerkennen. Therapie bei geringem Selbstwert Wien zeigt immer wieder, dass Prüfungsangst oft erst dann wirklich nachlässt, wenn das Fundament des Selbstwerts bearbeitet wurde.

 

Die existenzanalytische Perspektive auf Leistungsdruck

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet Prüfungsangst als Ausdruck einer erschütterten dritten Grundmotivation: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Wer glaubt, nur dann akzeptiert zu sein, wenn er Leistung bringt, kann sich selbst nicht bedingungslos annehmen. Die Prüfung wird zum Tribunal über die eigene Berechtigung – und das erzeugt eine Angst, die weit über das hinausgeht, was der Prüfungskontext selbst hervorrufen würde.

Gleichzeitig ist die vierte Grundmotivation relevant: „Wofür bin ich hier?“ Viele Menschen, die unter starkem Leistungsdruck leiden, haben sich nie wirklich gefragt, ob der Weg, den sie verfolgen, wirklich ihrer ist – oder ob er aus fremden Erwartungen zusammengesetzt wurde. Logotherapie Wien fragt nicht nur, wie man mit der Angst umgehen kann, sondern auch: Was ist der Sinn des Weges, den du gehst? Studierst du das Richtige? Strebst du nach dem, was wirklich zu dir passt? Diese Fragen sind nicht ablenkend – sie sind oft heilend.

 

Was bei Prüfungsangst wirklich hilft

Prüfungsangst lässt sich auf mehreren Ebenen angehen. Eine umfassende Behandlung berücksichtigt sowohl die kurzfristige Symptomentlastung als auch die tieferliegenden psychologischen Themen.

Kurzfristige Strategien für die Prüfungssituation

Für die akute Situation gibt es eine Reihe bewährter Techniken, die helfen können, das Nervensystem zu beruhigen und die kognitive Leistungsfähigkeit wiederherzustellen:

  • Kontrolliertes Atmen: Langsames, tiefes Atmen mit verlängerter Ausatmung aktiviert das parasympathische Nervensystem und reduziert körperliche Angstsymptome innerhalb von Minuten
  • Kognitive Umstrukturierung: Katastrophengedanken wie „Ich werde versagen“ werden bewusst hinterfragt und durch realistischere Einschätzungen ersetzt
  • Körperliche Erdung: Beide Füße bewusst auf den Boden setzen, den Stuhl spüren, in den Raum schauen – das unterbricht den Angstkreislauf und bringt die Aufmerksamkeit in die Gegenwart
  • Selbstmitgefühl in der Prüfungssituation: die Bereitschaft, auch mit einem nicht perfekten Ergebnis umgehen zu können, ohne sich dafür zu verurteilen

Mittelfristige Veränderungen in der Prüfungsvorbereitung

Auf der Ebene der Prüfungsvorbereitung gibt es einige Anpassungen, die die Angst langfristig reduzieren können:

  • Strukturierte, realistische Lernplanung mit klaren Zielen und ausreichend Pausen – statt Last-Minute-Lernen unter maximaler Anspannung
  • Regelmäßige körperliche Bewegung als Stressregulator, der die Cortisolbelastung senkt und die Konzentrationsfähigkeit verbessert
  • Ausreichend Schlaf als biologische Grundlage für Gedächtniskonsolidierung und emotionale Stabilität
  • Das bewusste Einbauen von Entspannungsritualen, die dem Körper signalisieren, dass nicht jede Stunde des Tages Hochleistung erwartet wird

Langfristige psychotherapeutische Arbeit

Wer wiederholt oder stark unter Prüfungsangst leidet, profitiert von einer tiefergehenden psychotherapeutischen Begleitung. Dabei geht es um die Bearbeitung der zugrundeliegenden Überzeugungen über Leistung und Selbstwert, um die Entwicklung einer gesünderen Beziehung zur eigenen Unvollkommenheit und um das Erarbeiten einer stabileren Identität, die nicht von Prüfungsergebnissen abhängt. Stressbewältigung Wien im existenzanalytischen Rahmen fragt dabei immer auch: Was braucht dieser Mensch, um sich auch in Drucksituationen als wertvoll und handlungsfähig zu erleben?

 

Wenn Leistungsdruck zum Dauerzustand wird

Prüfungsangst ist nicht auf Schule und Studium beschränkt. Leistungsdruck begleitet viele Menschen auch im Berufsleben: bei Präsentationen, in Bewerbungssituationen, in Beurteilungsgesprächen oder beim Meistern neuer Aufgaben. Die Mechanismen sind dieselben – nur der Kontext verändert sich. Wer gelernt hat, seinen Wert an Leistung zu knüpfen, trägt dieses Muster in alle Lebensbereiche mit.

Chronischer Leistungsdruck ist einer der häufigsten Wege in den Burnout. Burnout Therapie Wien zeigt regelmäßig, dass hinter der totalen Erschöpfung oft eine langjährige Geschichte von überhöhten Anforderungen steckt, die nie hinterfragt wurden – weder von außen noch von innen. Die Prävention beginnt nicht erst beim Zusammenbruch, sondern bei der Frage: Was glaube ich, leisten zu müssen – und warum?

 

Eine Einladung zur anderen Beziehung zur Leistung

Leistung ist nicht der Feind. Ambition, Einsatz und der Wille, das Beste aus sich herauszuholen, sind wertvolle menschliche Qualitäten. Das Problem entsteht dort, wo Leistung aufhört, Ausdruck des eigenen Wollens zu sein, und anfängt, Bedingung für den eigenen Wert zu werden. Diese Verschiebung ist subtil, aber folgenreich.

Eine gesunde Beziehung zur eigenen Leistung ist möglich – eine Beziehung, in der man sich anstrengt, weil es einem wichtig ist, nicht weil man Angst vor den Konsequenzen des Scheiterns hat. In der man Fehler als Information betrachtet, nicht als Beweis der eigenen Unzulänglichkeit. Und in der man auch nach einer schlechten Prüfung noch weiß, wer man ist.

 

Wer sich in diesem Text wiederfindet und spürt, dass Leistungsdruck und Prüfungsangst mehr als eine vorübergehende Belastung sind, kann professionelle Begleitung in Anspruch nehmen. Die existenzanalytische Praxis von Dipl. Päd. Bernd Thell in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien Hernals, bietet dafür einen Raum, der nicht selbst nach Leistung fragt – sondern danach, wie ein Mensch wieder in seine eigene Kraft kommt. Termine können telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden, Gespräche sind auch per Video möglich.


Innere Antreiber: Warum wir tun, was wir eigentlich nicht wollen

Sei perfekt. Sei stark. Beeil dich. Mach es allen recht. Streng dich mehr an. Diese fünf Sätze klingen nach Ermahnungen von außen – und doch sind sie für viele Menschen eine innere Dauerbeschallung, die kaum jemand bewusst wahrnimmt. Sie nennen sich innere Antreiber, und sie sind leise, hartnäckig und erstaunlich mächtig. Sie entstehen früh, werden selten hinterfragt und prägen das Denken, Fühlen und Handeln oft ein Leben lang. Wer ständig das Gefühl hat, nicht genug zu tun, nicht gut genug zu sein oder sich nie wirklich entspannen zu dürfen, kennt sie – auch wenn er sie nicht beim Namen nennt. Innere Antreiber sind keine Diagnose, keine Persönlichkeitsstörung und kein Zeichen von Schwäche. Sie sind erlernte Überlebensmechanismen, die einst sinnvoll waren – und die heute oft mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Psychologische Beratung Wien zeigt immer wieder, wie sehr diese verborgenen Muster das Leben bestimmen, und wie viel Freiheit entstehen kann, wenn man beginnt, sie zu verstehen.

 

Was innere Antreiber sind – und woher sie kommen

Der Begriff innere Antreiber stammt aus der Transaktionsanalyse, einem psychologischen Konzept, das sich mit der Frage beschäftigt, wie frühe Erfahrungen das spätere Verhalten formen. Die Theorie beschreibt fünf grundlegende Antreiber, die fast universell verbreitet sind – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination.

Innere Antreiber sind verinnerlichte Botschaften, die ein Kind aus seiner Umgebung aufgenommen hat. Nicht unbedingt als direkte Aussagen, sondern als Schlussfolgerungen aus wiederholten Erfahrungen: Was muss ich tun, um gemocht zu werden? Was wird von mir erwartet? Wann bin ich gut genug? Das kindliche Gehirn ist darauf ausgelegt, solche Muster zu erkennen und zu internalisieren – denn die Zugehörigkeit zur Gruppe, vor allem zur Familie, war evolutionär überlebenswichtig.

Das Problem entsteht, wenn diese einst sinnvollen Anpassungsstrategien im Erwachsenenleben weiter aktiv bleiben – automatisch, unbewusst und ungeprüft. Was dem Kind geholfen hat, Zuneigung zu sichern oder Konflikte zu vermeiden, kostet den Erwachsenen Energie, Gesundheit und Lebensqualität.

 

Die fünf klassischen inneren Antreiber

Sei perfekt

Der Antreiber „Sei perfekt“ lautet im Inneren: Fehler sind nicht erlaubt. Was ich tue, muss makellos sein – sonst bin ich es nicht wert. Menschen mit diesem Antreiber überprüfen ihre Arbeit mehrfach, haben Schwierigkeiten, Aufgaben abzuschließen, weil es immer noch besser gehen könnte, und leiden intensiv unter Kritik oder Misserfolgen. Burnout Therapie Wien begegnet diesem Muster besonders häufig: Der Antreiber „Sei perfekt“ treibt Menschen an, bis nichts mehr geht – und dann noch ein Stück weiter.

Sei stark

„Sei stark“ bedeutet: Zeige keine Schwäche. Brauche keine Hilfe. Halte durch, egal was es kostet. Menschen mit diesem Antreiber schlucken Gefühle herunter, verweigern Unterstützung auch dann, wenn sie sie dringend bräuchten, und sind überzeugt, dass die Bitte um Hilfe ein Zeichen von Versagen ist. Dieser Antreiber ist besonders im Zusammenhang mit Burnout Behandlung Wien und mit psychosomatischen Erkrankungen relevant – denn was die Psyche nicht ausdrücken darf, sucht sich andere Wege.

Beeil dich

Der Antreiber „Beeil dich“ erzeugt ein chronisches Gefühl von Zeitdruck – auch dann, wenn objektiv keine Eile geboten ist. Pausen fühlen sich wie Zeitverschwendung an. Wer diesen Antreiber kennt, ist ständig in Bewegung, hat Schwierigkeiten, im Moment zu verweilen, und erlebt Entspannung als unangenehm oder schuldhaft. Stressbewältigung Wien muss bei diesem Muster ansetzen – denn äußere Entschleunigung allein hilft wenig, wenn der innere Motor weiter auf Hochtouren läuft.

Mach es allen recht

„Mach es allen recht“ bedeutet: Meine Bedürfnisse sind weniger wichtig als die der anderen. Konflikte sind gefährlich. Harmonie muss um jeden Preis erhalten werden. Menschen mit diesem Antreiber sagen häufig Ja, wenn sie Nein meinen, vernachlässigen die eigenen Grenzen zugunsten der Erwartungen anderer und haben ein starkes Gespür dafür, was andere brauchen – oft auf Kosten des eigenen Wohlbefindens. Hilfe bei Selbstwertproblemen Wien berührt diesen Antreiber fast immer: Wer nicht Nein sagen kann, hat oft das Gefühl, den eigenen Wert erst durch Gefälligkeit verdienen zu müssen.

Streng dich mehr an

Der Antreiber „Streng dich mehr an“ flüstert: Was du leistest, ist nie genug. Du musst dich noch mehr bemühen. Mehr arbeiten. Mehr geben. Menschen mit diesem Muster haben Schwierigkeiten, sich über Erreichtes zu freuen, weil der Blick sofort auf das nächste Ziel springt. Erfolge werden kaum wahrgenommen, Misserfolge werden überdimensional gewichtet. Auch dieser Antreiber ist ein häufiger Motor von Burnout und Depression Therapie Wien – denn wer nie genug tut, kennt keine echte Erholung.

 

Wie innere Antreiber das Leben beeinflussen

Innere Antreiber sind nicht durchgehend schädlich. In bestimmten Kontexten können sie sogar hilfreich sein: Der Antreiber „Sei perfekt“ kann zu hoher Qualität in der Arbeit führen. „Streng dich mehr an“ kann in herausfordernden Situationen Ausdauer fördern. Das Problem liegt nicht im Antreiber selbst, sondern in seiner Starrheit und Unkontrolliertheit. Wer den Antreiber bewusst aktivieren kann, wenn er hilfreich ist, und ihn loslassen kann, wenn er schadet, hat eine Ressource. Wer von ihm getrieben wird, ohne es zu merken, hat ein Problem.

Innere Antreiber erzeugen typischerweise folgende Muster im Alltag:

  • Chronische Erschöpfung ohne klaren Auslöser, weil der innere Druck nie nachlässt
  • Schwierigkeiten, sich zu entspannen oder Freude zu empfinden, ohne gleichzeitig das Gefühl zu haben, etwas Wichtiges zu vernachlässigen
  • Anhaltende Unzufriedenheit mit sich selbst, trotz objektiver Leistungen und Erfolge
  • Konflikte in Beziehungen, weil die eigenen Erwartungen an sich selbst auch an andere gerichtet werden
  • Körperliche Symptome wie Verspannungen, Schlafstörungen oder Erschöpfungszustände, die auf dauerhaften inneren Druck hinweisen

Diese Muster sind keine Zufälle und keine Charakterfehler. Sie sind die logischen Folgen von Überzeugungen, die tief im System verankert sind – und die sich ohne gezielte Aufmerksamkeit nicht von selbst auflösen.

 

Innere Antreiber aus existenzanalytischer Sicht

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet innere Antreiber als Ausdruck verletzter Grundmotivationen. Fast alle fünf Antreiber lassen sich auf die dritte Grundmotivation zurückführen: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Menschen, die von inneren Antreibern getrieben werden, haben in der Regel verinnerlicht, dass sie so, wie sie natürlicherweise sind, nicht in Ordnung sind. Dass sie leisten, funktionieren, gefallen oder aushalten müssen, um Zugehörigkeit und Wert zu verdienen.

Der Antreiber ist dann keine Stimme der Stärke, sondern eine Stimme der Angst – der Angst, abgelehnt, nicht gemocht oder für unzureichend gehalten zu werden. Diese Angst hat reale Wurzeln in frühen Beziehungserfahrungen. Aber sie bestimmt im Erwachsenenleben weiter das Handeln, als wäre die damalige Situation noch gegenwärtig.

Viktor Frankl erkannte, dass echte innere Freiheit erst dann entsteht, wenn ein Mensch nicht mehr reaktiv auf innere oder äußere Drücke reagiert, sondern aus einer inneren Zustimmung heraus handelt. Nicht: „Ich muss perfekt sein.“ Sondern: „Ich entscheide, wie viel Sorgfalt ich dieser Aufgabe widme.“ Diese Unterscheidung ist fundamental – und sie ist das Ziel der therapeutischen Arbeit mit inneren Antreibern. Logotherapie Wien und die existenzanalytische Psychotherapie arbeiten genau an dieser inneren Freiheit: nicht als Abwesenheit von Werten oder Ansprüchen, sondern als bewusste Wahl, wie man leben will.

 

Was in der Therapie mit inneren Antreibern passiert

Die Arbeit mit inneren Antreibern ist ein Kernthema in der psychotherapeutischen Begleitung Wien. Sie verläuft auf mehreren Ebenen und erfordert Zeit, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, eingeübte Muster wirklich zu hinterfragen.

Bewusstmachen und Benennen

Der erste Schritt ist Bewusstsein. Viele Menschen merken erst im Rückblick, dass ihr Verhalten von einem inneren Antreiber gesteuert wurde – wenn die Erschöpfung bereits da ist, wenn der Konflikt bereits eskaliert ist oder wenn der Körper bereits rebelliert. In der Gesprächstherapie Wien lernen Menschen, ihre inneren Antreiber in Echtzeit zu erkennen: Welcher Druck entsteht gerade? Woher kommt er? Ist er wirklich meiner?

Die Herkunft verstehen

Innere Antreiber verlieren einen Teil ihrer Macht, wenn ihre Herkunft verstanden wird. Wessen Stimme ist das eigentlich? War es die Mutter, die Lob immer an Leistung geknüpft hat? Der Vater, der Schwäche nicht tolerieren konnte? Die Schule, die nur Höchstleistungen honoriert hat? Diese Fragen sind keine Anklage gegen frühere Bezugspersonen – sie sind ein Versuch zu verstehen, wie bestimmte Überzeugungen entstanden sind. Und sie ermöglichen eine entscheidende Erkenntnis: Dieser Antreiber ist nicht die Wahrheit. Er ist eine erlernte Reaktion auf spezifische Erfahrungen.

Neue innere Erlaubnisse entwickeln

Jedem inneren Antreiber lässt sich eine befreiende Erlaubnis entgegenstellen. Dem „Sei perfekt“ die Erlaubnis: Du darfst Fehler machen. Dem „Sei stark“ die Erlaubnis: Du darfst Hilfe brauchen und annehmen. Dem „Beeil dich“ die Erlaubnis: Du darfst dir Zeit nehmen. Dem „Mach es allen recht“ die Erlaubnis: Du darfst du selbst sein, auch wenn das nicht allen gefällt. Dem „Streng dich mehr an“ die Erlaubnis: Du bist genug, auch wenn du nicht alles gibst.

Diese Erlaubnisse klingen einfach – und sind doch für viele Menschen anfangs kaum zu glauben. Sie sind keine Affirmationen, die man sich vor dem Spiegel aufsagt, sondern tiefe innere Überzeugungen, die sich durch Erfahrung, durch neue Beziehungen und durch beharrliche therapeutische Arbeit entwickeln. In der Psychotherapie Wien ist diese Arbeit an inneren Erlaubnissen ein zentrales Instrument für nachhaltige Veränderung.

Im Alltag: Innehalten statt Reagieren

Ein praktisches therapeutisches Ziel ist die Entwicklung einer Pause zwischen Reiz und Reaktion. Wenn der innere Antreiber sich meldet, muss man nicht sofort folgen. Das Innehalten – auch nur für einen Moment – schafft Spielraum. Bin ich gerade wirklich in Gefahr, wenn ich diese Aufgabe nicht perfekt erledige? Passiert wirklich etwas Schlimmes, wenn ich jetzt Nein sage? Diese kurzen inneren Prüfungen sind der Beginn einer neuen Freiheit.

 

Antreiber loslassen heißt nicht nachlassen

Eine häufige Befürchtung in der Therapie ist: Wenn ich meinen inneren Antreiber loslasse, werde ich faul, nachlässig oder gleichgültig. Diese Angst ist verständlich – aber unbegründet. Das Loslassen eines Antreibers bedeutet nicht, keine Ansprüche mehr zu haben. Es bedeutet, diese Ansprüche bewusst zu wählen statt von ihnen getrieben zu werden. Menschen, die sich von inneren Antreibern befreit haben, berichten oft von mehr Kreativität, mehr Belastbarkeit und mehr echter Motivation – nicht weil sie weniger tun, sondern weil sie aus einem anderen Ort heraus handeln.

 

In der Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in der Kalvarienberggasse 57/18 in Wien Hernals begleitet Bernd Thell Menschen, die spüren, dass ihr Leben mehr von inneren Zwängen als von innerer Freiheit bestimmt wird. Die existenzanalytische Arbeit schafft dabei einen Rahmen, der nicht nur Symptome lindert, sondern an den Überzeugungen ansetzt, die das Handeln wirklich steuern. Wer bereit ist, diesen inneren Mustern auf den Grund zu gehen, kann ein erstes unverbindliches Gespräch vereinbaren – telefonisch, per Video oder in der Praxis.


Social Media und Psyche: Wenn die digitale Welt die reale verdrängt

Wir leben in einem historisch einzigartigen Experiment. Erstmals in der Geschichte der Menschheit verbringen Milliarden von Menschen täglich Stunden damit, durch eine endlose Abfolge von Bildern, Meinungen, Nachrichten und Inszenierungen zu scrollen – kuratiert von Algorithmen, deren einziges Ziel es ist, die Aufmerksamkeit so lange wie möglich zu binden. Was als Kommunikationswerkzeug begann, ist zu einer Infrastruktur geworden, die das Denken, Fühlen, Selbstbild und die sozialen Beziehungen von Hunderten Millionen Menschen tiefgreifend prägt. Die psychologischen Folgen dieses Experiments werden erst langsam sichtbar – und sie sind ernst. Psychologische Beratung Wien begegnet dem Thema Social Media und psychische Gesundheit zunehmend häufig: als Hintergrundthema bei Depressionen und Angststörungen, als eigenständige Belastungsquelle und als Raum, in dem sich Einsamkeit, Selbstwertprobleme und Suchtverhalten auf neue Weise verbinden.

 

Wie Social Media die Psyche beeinflusst

Der Einfluss von Social Media auf die psychische Gesundheit ist kein Randphänomen mehr. Die Forschungslage der letzten Jahre ist eindeutig: Intensiver Social-Media-Konsum korreliert mit erhöhten Raten an Depressionen, Angststörungen, Einsamkeit, Schlafstörungen und negativem Körperbild – besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch bei Erwachsenen aller Altersgruppen.

Das bedeutet nicht, dass Social Media per se schädlich ist. Wie bei den meisten Werkzeugen kommt es darauf an, wie sie genutzt werden. Der entscheidende Unterschied liegt zwischen aktivem und passivem Konsum: Wer Social Media aktiv nutzt – um sich mit anderen auszutauschen, um Gemeinschaft zu erleben, um sich zu informieren – zeigt deutlich geringere psychische Belastungen als jemand, der passiv scrollt, vergleicht und konsumiert, ohne selbst teilzunehmen.

Der Algorithmus als psychologisches Problem

Das eigentliche Problem liegt tiefer als die bloße Nutzungsdauer. Social-Media-Plattformen sind so konstruiert, dass sie maximale Aufmerksamkeit erzeugen – nicht maximales Wohlbefinden. Algorithmen bevorzugen Inhalte, die starke emotionale Reaktionen hervorrufen: Empörung, Neid, Bewunderung, Angst. Das führt zu einem Feed, der emotional aufwühlend ist, selten ausgewogen und häufig ein verzerrtes Bild der Realität erzeugt – in dem alle anderen glücklicher, erfolgreicher, schöner und besser vernetzt erscheinen als man selbst.

Dieses Phänomen hat einen Namen: Social Comparison Theory. Menschen vergleichen sich von Natur aus mit anderen – das ist ein evolutionär sinnvolles Verhalten. In einer digitalen Umgebung jedoch, in der die Vergleichsgruppe auf die Highlights eines kuratierten Lebens reduziert ist, führt dieser natürliche Mechanismus systematisch zu Selbstabwertung.

 

Social Media und das Selbstbild

Besonders gravierend sind die Auswirkungen auf das Selbstbild. In der realen Welt begegnen wir anderen Menschen in ihrer Vollständigkeit – mit schlechten Tagen, Unordnung, Unsicherheiten und Widersprüchen. In der digitalen Welt sehen wir vor allem das, was Menschen zeigen wollen: die perfekte Mahlzeit, den gelungenen Urlaub, den professionellen Erfolg, den glücklichen Beziehungsmoment.

Diese systematische Inszenierung hat weitreichende Folgen. Wer täglich hunderte solcher Bilder konsumiert, beginnt das eigene, uninszenierte Leben als defizitär wahrzunehmen. Therapie bei geringem Selbstwert Wien begegnet diesem Muster immer häufiger: Menschen, die ihren Selbstwert an digitalen Vergleichen messen und dabei immer das Kurze Ende ziehen – nicht weil sie tatsächlich schlechter gestellt sind, sondern weil der Vergleich strukturell verzerrt ist.

Likes als Währung des Selbstwerts

Noch problematischer wird es, wenn die externe Bestätigung durch Likes, Kommentare und Follower-Zahlen zur Hauptquelle des Selbstwerts wird. Das Gehirn reagiert auf soziale Bestätigung mit Dopaminausschüttung – demselben Neurotransmitter, der bei anderen Suchtmitteln eine Rolle spielt. Die Suche nach diesem Gefühl kann sich verselbständigen: Man postet, um Reaktionen zu bekommen. Bleibt die Reaktion aus, folgt Angst oder Niedergeschlagenheit. Diese Dynamik ähnelt strukturell einem Suchtverhalten – und sie ist besonders gefährlich für Menschen, deren Selbstwert ohnehin fragil ist.

 

Social Media und Einsamkeit: ein Paradox

Eines der größten Paradoxa unserer Zeit ist folgendes: Noch nie waren Menschen so vernetzt – und noch nie klagten so viele über Einsamkeit. Social Media verspricht Verbindung, liefert aber häufig nur deren Simulation. Oberflächliche Interaktionen, performative Empathie, das Konsumieren von Lebensausschnitten anderer – all das schafft das Gefühl von Nähe, ohne die Substanz echter Verbundenheit zu liefern.

Hilfe bei Einsamkeit Wien zeigt regelmäßig, dass soziale Medien bei vielen Menschen die reale Einsamkeit nicht lindern, sondern verstärken. Der Mechanismus ist subtil: Je mehr Zeit man in der digitalen Welt verbringt, desto weniger Zeit und Energie bleibt für echte, tiefe Begegnungen. Gleichzeitig setzt die digitale Welt den Standard so hoch – so viele Kontakte, so viel Aktivität, so viel scheinbare Verbundenheit –, dass das eigene, reale soziale Leben dagegen arm erscheint.

Digitale Verbindung und echte Nähe

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet echte Verbundenheit als fundamentale menschliche Notwendigkeit. Die zweite Grundmotivation fragt: „Mag ich leben?“ – und diese Frage wird maßgeblich durch die Qualität unserer Beziehungen beantwortet. Digitale Interaktionen können echte Beziehungen unterstützen, wenn sie als Ergänzung genutzt werden. Sie können sie aber nicht ersetzen – und wo der Versuch gemacht wird, sie zu ersetzen, entsteht Leere.

 

Wenn Social Media zur Vermeidungsstrategie wird

Ein besonders häufiges und psychologisch relevantes Muster ist die Nutzung von Social Media als Vermeidungsstrategie. Statt unangenehme Gefühle wahrzunehmen und zu verarbeiten, wird zum Smartphone gegriffen. Langeweile, Einsamkeit, Traurigkeit, Angst oder innere Unruhe – all das lässt sich durch den Scroll-Reflex zumindest kurzfristig betäuben.

Das Problem: Was kurzfristig Erleichterung bringt, verstärkt das Problem langfristig. Die Gefühle, die nicht wahrgenommen wurden, verschwinden nicht – sie stauen sich auf. Gleichzeitig verliert man die Fähigkeit, Stille, Langeweile und emotischen Unbehagen auszuhalten – Fähigkeiten, die für ein psychisch gesundes Leben unverzichtbar sind. Psychotherapie Wien arbeitet bei diesem Muster daran, den automatischen Griff zum Smartphone zu unterbrechen und den dahinterliegenden Gefühlen Raum zu geben.

 

Besondere Risikogruppen

Obwohl Social Media alle Altersgruppen beeinflusst, gibt es Gruppen, die besonders vulnerabel sind.

Jugendliche und junge Erwachsene

Das Jugendalter ist eine Phase intensiver Identitätsarbeit. Wer bin ich? Wohin gehöre ich? Bin ich normal? Diese Fragen sind ohnehin drängend – und Social Media befeuert sie auf besondere Weise. Studien zeigen, dass intensiver Social-Media-Konsum bei Jugendlichen das Risiko für Depressionen und Angststörungen deutlich erhöht. Besonders Mädchen sind betroffen, was mit dem stärkeren Fokus auf Körperbild und sozialen Vergleich zusammenhängt. Angststörung Therapie Wien und Depression Therapie Wien sehen bei jungen Erwachsenen zunehmend Social Media als zentralen Belastungsfaktor.

Menschen mit vorbestehenden psychischen Belastungen

Wer bereits unter Depressionen, Angststörungen oder niedrigem Selbstwert leidet, ist besonders anfällig für die negativen Auswirkungen von Social Media. Negative Vergleiche treffen auf ein System, das ohnehin wenig Widerstandskraft hat. Doom Scrolling – das zwanghafte Konsumieren negativer Nachrichten und Inhalte – kann bestehende Symptome erheblich verschlimmern.

Menschen in Lebenskrisen

In Phasen von Trauer, Trennung, Jobverlust oder anderen Lebenskrisen ist Social Media besonders tückisch. Die Konfrontation mit dem scheinbar makellosen Leben anderer in dem Moment, in dem das eigene Leben auseinanderfällt, erzeugt ein Gefühl von Ungerechtigkeit und Isolation, das die Krise vertiefen kann.

 

Gesunder Umgang mit Social Media: konkrete Ansätze

Ein gesunder Umgang mit Social Media bedeutet nicht zwingend, die Plattformen vollständig aufzugeben. Es bedeutet, eine bewusste, selbstbestimmte Beziehung dazu zu entwickeln – statt sich von Algorithmen steuern zu lassen.

Folgende Ansätze haben sich als wirksam erwiesen:

  • Nutzungszeiten bewusst begrenzen und feste Zeiten für Social Media definieren, statt jederzeit verfügbar zu sein
  • Benachrichtigungen deaktivieren, um den automatischen Sog zu unterbrechen und die eigene Aufmerksamkeit zurückzugewinnen
  • Den Feed aktiv kuratieren: Accounts entfolgen, die negative Vergleiche auslösen, und Inhalte bevorzugen, die inspirieren oder wirklich informieren
  • Das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen, um die Schlafqualität zu schützen und den Tag nicht mit dem Blick in den Feed zu beginnen
  • Bewusste handyfreie Zeiten einführen – beim Essen, in Gesprächen, beim Spazierengehen – um echte Präsenz im eigenen Leben zurückzugewinnen
  • Social Media als das zu betrachten, was es ist: eine Inszenierung, keine Realität

Wenn Selbstkontrolle nicht ausreicht

Manchmal reichen gute Vorsätze nicht aus. Wenn Social-Media-Konsum sich trotz bewusstem Wollen nicht reduzieren lässt, wenn er Schlaf, Beziehungen und Arbeit beeinträchtigt, wenn er als primäre Regulationsstrategie für Gefühle dient – dann ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Psychotherapeutische Begleitung Wien hilft dabei, die zugrundeliegenden Bedürfnisse zu verstehen: Was sucht man im Feed, das man im realen Leben vermisst? Was soll die Ablenkung betäuben? Und wie lässt sich das, was wirklich gebraucht wird, auf anderen Wegen finden?

 

Die existenzanalytische Perspektive: Authentizität in einer inszenierten Welt

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle und Viktor Frankl stellt eine Frage ins Zentrum, die im Kontext von Social Media besondere Bedeutung gewinnt: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ In einer Welt, in der das Selbst ständig für ein Publikum inszeniert wird, ist diese Frage revolutionär. Authentizität – das Übereinstimmen von innerem Erleben und äußerem Ausdruck – wird in der digitalen Welt systematisch untergraben. Man zeigt, was Zustimmung erntet, nicht was man wirklich fühlt.

Die Logotherapie Wien ergänzt diese Perspektive mit der Sinnfrage: Wozu wird die Zeit vor dem Bildschirm verwendet? Was geht verloren, wenn diese Zeit dem echten Leben entzogen wird? Sinn entsteht in der Begegnung mit der Wirklichkeit – in echter Beziehung, in echter Aufgabe, in echter Erfahrung. Eine durch Bildschirme gefilterte Wirklichkeit kann Sinn nicht ersetzen, nur simulieren.

 

Weniger scrollen, mehr leben

Social Media ist weder gut noch böse. Es ist ein Werkzeug, das auf bestimmte menschliche Grundbedürfnisse ausgerichtet ist – auf das Bedürfnis nach Verbindung, Anerkennung und Information. Die Frage ist, ob es diesen Bedürfnissen wirklich dient oder ob es sie nur scheinbar befriedigt und dabei andere, tiefere Bedürfnisse verdrängt: das Bedürfnis nach echter Nähe, nach stiller Selbstbegegnung, nach einem Leben, das nicht für andere inszeniert wird, sondern für einen selbst gelebt wird.

 

Diese Fragen zu stellen und ehrliche Antworten darauf zu finden, erfordert manchmal Unterstützung von außen. Wer spürt, dass Social Media sein Leben mehr dominiert als bereichert, ist eingeladen, das Gespräch zu suchen. In der Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie von Dipl. Päd. Bernd Thell in der Kalvarienberggasse 57/18, 1170 Wien Hernals, gibt es Raum für genau diese Auseinandersetzung – ohne Smartphone, ohne Filter, ohne Inszenierung. Nur ein echter Mensch, der wirklich zuhört.

 


Essstörungen: Wenn Essen zur Kontrolle wird

Essen ist weit mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Genuss, Gemeinschaft, Trost, Ritual und Kulturausdruck. Für die meisten Menschen ist der Umgang mit Essen selbstverständlich – manchmal bewusst, oft automatisch, gelegentlich emotional gefärbt. Für Menschen mit einer Essstörung ist das anders. Essen wird zum Schauplatz eines inneren Kampfes, der mit Hunger oder Sattheit oft wenig zu tun hat. Es geht um Kontrolle, um Selbstwert, um Schmerz, um das Gefühl, den eigenen Körper und das eigene Leben irgendwie in den Griff zu bekommen. Essstörungen gehören zu den schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen – nicht nur, weil sie körperlich lebensbedrohlich werden können, sondern weil sie das gesamte Erleben eines Menschen durchdringen: Beziehungen, Alltagsgestaltung, Selbstbild und den Bezug zur eigenen Existenz. Hilfe bei Essstörungen Wien beginnt mit dem Verständnis, dass hinter dem gestörten Essverhalten immer eine menschliche Geschichte steckt – und dass Heilung möglich ist.

 

Was Essstörungen wirklich sind

Essstörungen sind keine Modeerscheinung, kein Zeichen von Eitelkeit und keine bewusste Entscheidung. Sie sind ernsthafte psychische Erkrankungen mit komplexen Ursachen, die biologische, psychologische und soziale Faktoren umfassen. Die häufigsten Formen sind Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und die Binge-Eating-Störung – doch daneben gibt es eine Vielzahl von Mischformen und atypischen Ausprägungen, die das Leben von Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Was alle Essstörungen verbindet, ist die zentrale Rolle, die Essen, Körper und Gewicht im Innenleben der Betroffenen einnehmen. Gedanken um Kalorien, um das eigene Aussehen, um Essen und Nicht-Essen beanspruchen oft den Großteil der kognitiven Kapazität – und lassen für alles andere kaum Raum. Das soziale Leben leidet, Beziehungen werden belastet, der Alltag wird zunehmend um das Essverhalten herum organisiert.

 

Die häufigsten Formen von Essstörungen

Anorexia nervosa

Die Magersucht ist gekennzeichnet durch eine intensive Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Körperbild, das den eigenen Körper als zu dick wahrnimmt – unabhängig vom tatsächlichen Gewicht. Betroffene schränken ihre Nahrungsaufnahme drastisch ein, oft begleitet von exzessivem Sport oder anderen kompensatorischen Verhaltensweisen. Anorexia nervosa hat unter allen psychischen Erkrankungen eine der höchsten Sterblichkeitsraten – sowohl durch die körperlichen Folgen der Mangelernährung als auch durch Suizid.

Hinter der Kontrolle über das Essen steht oft ein tiefer Wunsch nach Kontrolle in einem Leben, das sich anderweitig unkontrollierbar anfühlt. Die Nahrungsrestriktion gibt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Überlegenheit – und gleichzeitig straft sie den Körper für ein Sein, das als unzureichend erlebt wird.

Bulimia nervosa

Die Bulimie ist durch Essanfälle und kompensatorische Maßnahmen gekennzeichnet. Betroffene essen in kurzen Zeiträumen große Mengen, erleben dabei einen Kontrollverlust – und versuchen anschließend, durch Erbrechen, Abführmittel, Fasten oder exzessiven Sport gegenzusteuern. Die Essanfälle sind oft nicht mit Hunger verbunden, sondern mit Stress, Einsamkeit, Scham oder anderen schwer aushaltbaren Emotionen. Essen übernimmt die Funktion eines Bewältigungsmechanismus.

Viele Menschen mit Bulimie haben nach außen ein normales Gewicht, was die Erkrankung oft lange unsichtbar macht. Die Scham über das Verhalten – das Verstecken, das Lügen, die Heimlichkeit – ist ein wesentlicher Teil des Leidens.

Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Störung ähnelt der Bulimie in den Essanfällen, jedoch ohne die kompensatorischen Maßnahmen. Betroffene essen wiederholt unkontrolliert große Mengen, erleben dabei Scham, Ekel und Schuldgefühle – und starten nach dem Anfall den nächsten Versuch, alles unter Kontrolle zu bringen. Die Binge-Eating-Störung ist die häufigste Essstörung und geht häufig mit Übergewicht, Depression und einem tiefen Gefühl der Hilflosigkeit einher.

 

Was hinter Essstörungen steckt

Essstörungen sind Symptome – sichtbare Ausprägungen tieferer psychischer Belastungen. Um sie wirklich zu verstehen, muss man fragen: Was erfüllt das gestörte Essverhalten für die betroffene Person? Welche Funktion hat es – und welchen inneren Schmerz versucht es zu regulieren?

Kontrolle als Antwort auf Ohnmacht

In vielen Fällen ist die Kontrolle über das Essen ein Versuch, Kontrolle über ein Leben zu gewinnen, das sich anderweitig überwältigend anfühlt. Wenn familiäre Verhältnisse chaotisch sind, wenn Grenzen verletzt wurden, wenn emotionale Sicherheit fehlte – dann kann die strikte Kontrolle über den eigenen Körper das einzige sein, was sich beherrschbar anfühlt. Stressbewältigung Wien zeigt regelmäßig, dass Essstörungen und chronischer Stress eng miteinander verknüpft sind.

Selbstwert und Körperbild

Essstörungen und ein niedriger Selbstwert sind fast immer miteinander verbunden. Der Körper wird zum Schauplatz des inneren Kampfes: Wenn er perfekt genug ist, dann bin ich gut genug. Diese Gleichsetzung von äußerem Erscheinungsbild und innerem Wert ist kulturell verstärkt und therapeutisch besonders hartnäckig. Therapie bei geringem Selbstwert Wien ist daher ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Essstörungen.

Emotionsregulation

Essanfälle sind oft keine Reaktion auf Hunger, sondern auf Gefühle. Langeweile, Einsamkeit, Wut, Angst, Trauer – all das kann einen Essanfall auslösen, weil Essen kurzfristig betäubt, tröstet oder Spannung abbaut. Das Problem: Die Emotionen, die den Anfall ausgelöst haben, sind danach nicht verschwunden – sie werden von Scham und Schuldgefühlen überlagert, die ihrerseits neue Anspannung erzeugen.

 

Die existenzanalytische Sicht auf Essstörungen

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet Essstörungen als Ausdruck mehrerer gleichzeitig verletzter Grundmotivationen.

Die erste Grundmotivation – „Kann ich in dieser Welt sein?“ – ist oft erschüttert: Betroffene erleben ihren Körper nicht als sicheren Ort, sondern als Problem, als Feind, als etwas, das kontrolliert oder bestraft werden muss. Das fundamentale Vertrauen in die eigene körperliche Existenz fehlt.

Die dritte Grundmotivation – „Darf ich so sein, wie ich bin?“ – ist bei Essstörungen fast immer tief verletzt. Die Botschaft, die viele Betroffene verinnerlicht haben, lautet: So, wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung. Mein Körper ist falsch. Mein Appetit ist falsch. Ich brauche zu viel. Diese Überzeugungen sind keine Fakten – sie sind internalisierte Urteile, die in der Therapie hinterfragt und verändert werden können.

Viktor Frankl erkannte, dass Menschen in extremen Situationen manchmal die einzige verbliebene Freiheit in der Kontrolle über ihre innere Haltung finden. Bei Essstörungen wird diese Freiheit auf den Körper projiziert – aber auf eine Weise, die das Leben nicht erweitert, sondern einengt. Logotherapie Wien arbeitet daran, diese Freiheit zu weiten: nicht als Kontrolle über den Körper, sondern als Öffnung hin zu dem, was das Leben bedeutsam macht.

 

Behandlung von Essstörungen: Was wirkt

Essstörungen sind komplex – und ihre Behandlung erfordert einen mehrdimensionalen Ansatz, der körperliche Stabilisierung, psychotherapeutische Arbeit und oft auch soziale Unterstützung umfasst.

Medizinische Stabilisierung als Grundvoraussetzung

Bei schwerer Anorexia nervosa oder körperlichen Komplikationen durch Bulimie ist medizinische Behandlung vorrangig. Psychotherapeutische Arbeit setzt eine gewisse körperliche Stabilität voraus – ohne diese fehlt die kognitive und emotionale Kapazität für tiefere therapeutische Prozesse. Die Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeut, Arzt und gegebenenfalls Ernährungsberatung ist daher bei Essstörungen besonders wichtig.

Psychotherapeutische Kernarbeit

Im Zentrum der psychotherapeutischen Behandlung stehen mehrere parallele Arbeitsbereiche:

  • Das Essverhalten selbst: Mahlzeitenstrukturierung, der Umgang mit Essanfällen, das Durchbrechen von Kompensationsritualen – konkrete Verhaltensänderungen, die durch therapeutische Begleitung schrittweise ermöglicht werden
  • Das Körperbild: die Arbeit an der verzerrten Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Gleichsetzung von Körper und Selbstwert
  • Die emotionalen Hintergründe: das Verstehen und Verarbeiten der Gefühle und Erfahrungen, die das gestörte Essverhalten ausgelöst haben und aufrechterhalten
  • Der Selbstwert: die tiefere Arbeit an dem fundamentalen Selbstbild, das dem Essverhalten zugrunde liegt

Die Beziehungsebene

Essstörungen entwickeln sich oft in einem spezifischen Beziehungskontext und haben immer Auswirkungen auf Beziehungen. Familien, Partnerschaften und Freundschaften werden belastet – durch Heimlichkeit, durch Sorge, durch Konflikte um Essen. Hilfe bei Beziehungsproblemen Wien ist daher häufig ein begleitendes Thema in der Essstörungsbehandlung. Manchmal ist auch die Einbeziehung wichtiger Bezugspersonen in die Therapie sinnvoll.

 

Essstörungen erkennen – bei sich selbst und anderen

Essstörungen sind oft gut verborgen. Betroffene entwickeln ausgeklügelte Strategien, um ihr Verhalten zu verstecken – aus Scham, aus Angst vor Intervention, aber auch weil die Erkrankung selbst nicht aufgegeben werden will, solange sie eine wichtige Funktion erfüllt. Einige Hinweise, die auf eine Essstörung hinweisen können:

  • Starke gedankliche Beschäftigung mit Essen, Kalorien, Gewicht und Körper, die einen erheblichen Teil des Tages in Anspruch nimmt
  • Ausgeprägte Vermeidung bestimmter Lebensmittel oder Mahlzeitensituationen in Gesellschaft
  • Verschwinden nach dem Essen oder häufige Besuche auf der Toilette nach dem Essen
  • Sichtbare körperliche Veränderungen wie starker Gewichtsverlust, Kraftlosigkeit, Haarausfall oder Zahnschäden
  • Soziale Isolation, weil gemeinsame Mahlzeiten vermieden werden
  • Extreme Stimmungsschwankungen in Abhängigkeit von Essen und Gewicht

 

Der Weg aus der Essstörung ist möglich

Essstörungen sind behandelbar – auch wenn sie sich nach Jahren des Leidens unüberwindbar anfühlen. Heilung bedeutet nicht, nie wieder einen schwierigen Gedanken über Essen oder den eigenen Körper zu haben. Sie bedeutet, einen anderen Umgang damit zu finden. Einen Umgang, der das Leben nicht einengt, sondern öffnet.

Dipl. Päd. Bernd Thell begleitet Menschen in seiner Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in der Kalvarienberggasse 57/18 in Wien Hernals auf diesem Weg. Was seine Arbeit auszeichnet, ist der Blick auf den ganzen Menschen – nicht nur auf das Symptom. Hinter jeder Essstörung steht eine Geschichte, ein Schmerz und eine Sehnsucht nach einem anderen Leben. Diese Sehnsucht ernst zu nehmen ist der Beginn von Veränderung. Ein erstes Gespräch ist möglich – in der Praxis, telefonisch oder per Video.


Selbstwert: Warum wir uns so oft für nicht gut genug halten

Es gibt Menschen, die nach außen hin erfolgreich, kompetent und liebenswürdig wirken – und sich innerlich trotzdem permanent unzulänglich fühlen. Die jedes Lob sofort relativieren. Die Fehler lange festhalten, Erfolge schnell vergessen. Die sich in Gesellschaft verbiegen, um zu gefallen, und danach erschöpft nach Hause kommen. Die eine innere Stimme kennen, die kommentiert, bewertet und selten zufrieden ist. Niedriger Selbstwert ist einer der am weitesten verbreiteten psychischen Belastungsfaktoren – und gleichzeitig einer der am wenigsten sichtbaren. Er zeigt sich nicht als klare Diagnose, er schreit nicht laut. Er flüstert. Und das manchmal ein Leben lang. Therapie bei geringem Selbstwert Wien beginnt mit einer einfachen, aber tiefgreifenden Erkenntnis: Selbstwert ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Er ist etwas, das sich entwickelt – und das sich verändern lässt.

 

Was Selbstwert wirklich bedeutet

Der Begriff Selbstwert wird im Alltag häufig mit Selbstbewusstsein oder Selbstvertrauen gleichgesetzt. Diese Begriffe sind verwandt, aber nicht identisch. Selbstvertrauen bezieht sich auf die Überzeugung, bestimmte Aufgaben bewältigen zu können – es ist leistungsbezogen und situationsabhängig. Selbstwert hingegen ist tiefer. Er beschreibt das fundamentale Gefühl, als Person wertvoll zu sein – unabhängig von Leistung, Aussehen, sozialem Status oder der Zustimmung anderer.

Gesunder Selbstwert bedeutet nicht, sich für besser zu halten als andere. Er bedeutet auch nicht, keine Zweifel zu kennen oder keine Kritik annehmen zu können. Er bedeutet eine grundlegende innere Haltung sich selbst gegenüber, die stabil bleibt, auch wenn etwas schiefläuft. Eine Haltung, die sagt: Ich bin gut genug – nicht weil ich fehlerlos bin, sondern weil ich ein Mensch bin, der Würde verdient.

 

Woher kommt ein niedriger Selbstwert?

Selbstwert entwickelt sich nicht im luftleeren Raum. Er entsteht in Beziehungen – vor allem in den frühen, prägenden Beziehungen der Kindheit. Die Art, wie Bezugspersonen auf ein Kind reagieren, wie es gesehen, gehört und gespiegelt wird, legt die Grundlage dafür, wie sich dieses Kind selbst wahrnimmt und bewertet.

Frühe Prägungen

Kinder, die bedingungslos geliebt wurden – die also die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Existenz als solche willkommen ist, nicht nur ihre Leistungen oder ihr Wohlverhalten – entwickeln in der Regel einen stabilen Selbstwert. Kinder, die erlebt haben, dass Zuneigung an Bedingungen geknüpft ist, dass Fehler beschämt werden, dass sie ständig verglichen oder kritisiert wurden, oder die emotionale Vernachlässigung erfahren haben, entwickeln oft ein inneres Bild von sich selbst als unzureichend, störend oder nicht liebenswert.

Diese frühen Prägungen sind keine bewussten Entscheidungen – sie sind Schlussfolgerungen, die das kindliche Gehirn aus wiederkehrenden Erfahrungen zieht. Und sie sind zäh. Denn das Gehirn neigt dazu, einmal gebildete Überzeugungen zu bestätigen und gegenteilige Beweise zu übersehen. Wer glaubt, nicht gut genug zu sein, wird Situationen, die diese Überzeugung bestätigen, stärker wahrnehmen als jene, die sie widerlegen.

Gesellschaftliche Verstärker

Neben frühen Beziehungserfahrungen wirken gesellschaftliche Faktoren auf den Selbstwert ein. Leistungsgesellschaft, Schönheitsideale, Vergleichskultur in sozialen Medien – all das befeuert die Überzeugung, dass man nur dann wertvoll ist, wenn man produktiv, attraktiv, erfolgreich und beliebt ist. Diese Botschaften treffen besonders jene hart, die ohnehin bereits ein fragiles Selbstbild mitbringen. Hilfe bei Selbstwertproblemen Wien begegnet regelmäßig Menschen, die jahrzehntelang versucht haben, durch Leistung oder Anpassung einen inneren Mangel zu kompensieren – und festgestellt haben, dass es nie genug ist.

 

Wie sich niedriger Selbstwert im Alltag zeigt

Niedriger Selbstwert ist selten offensichtlich. Er versteckt sich hinter Verhaltensweisen und Mustern, die auf den ersten Blick ganz anders aussehen können.

Typische Erscheinungsformen eines niedrigen Selbstwerts sind:

  • Starkes Harmoniebedürfnis und Schwierigkeiten, Nein zu sagen – aus Angst, abgelehnt oder nicht gemocht zu werden
  • Übermäßige Selbstkritik nach Fehlern, Versagen oder als unangemessen erlebten Reaktionen
  • Das Kleinreden eigener Erfolge und das Abwehren von Lob – nach dem Motto „Das war doch nichts Besonderes“
  • Perfektionismus als Versuch, durch fehlerlose Leistung dem inneren Urteil zu entkommen
  • Überanpassung in Beziehungen – eigene Bedürfnisse zurückstellen, um den anderen nicht zu belasten
  • Vergleiche mit anderen, die fast immer zuungunsten der eigenen Person ausgehen
  • Eine tiefe Überzeugung, dass andere, wenn sie einen wirklich kennen würden, enttäuscht wären

Diese Muster erzeugen enormen Druck und tiefe Erschöpfung. Wer ständig kämpft, um den eigenen Wert zu beweisen, hat keine Energie für das eigentliche Leben. Burnout Therapie Wien zeigt regelmäßig, dass hinter chronischer Erschöpfung oft ein jahrelanger innerer Kampf um Anerkennung steckt.

 

Selbstwert und psychische Erkrankungen

Niedriger Selbstwert ist selten ein isoliertes Thema. Er ist häufig sowohl Ursache als auch Folge anderer psychischer Belastungen – und wirkt in beide Richtungen verstärkend.

Selbstwert und Depression

Der Zusammenhang zwischen niedrigem Selbstwert und Depression ist eng und bidirektional. Wer sich als wertlos, unzulänglich oder ungeliebt erlebt, ist anfälliger für depressive Entwicklungen. Und Depression wiederum verzerrt das Selbstbild in Richtung Hoffnungslosigkeit und Selbstabwertung. Depression Therapie Wien muss daher immer auch die Selbstwertthematik im Blick haben – denn solange das fundamentale Selbstbild unverändert bleibt, ist das Rückfallrisiko hoch.

Selbstwert und Angststörungen

Menschen mit niedrigem Selbstwert zweifeln an ihrer Fähigkeit, schwierige Situationen zu bewältigen. Diese Überzeugung macht sie anfälliger für Angstreaktionen. Soziale Phobie ist fast immer mit einem fragilen Selbstwert verknüpft – die Angst vor negativer Bewertung spiegelt die innere Überzeugung wider, nicht gut genug zu sein. Angststörung Therapie Wien und Selbstbewusstsein stärken Wien sind daher oft zwei Seiten derselben therapeutischen Arbeit.

Selbstwert und Beziehungen

Niedriger Selbstwert beeinflusst die Art, wie Menschen Beziehungen gestalten – oft auf schmerzhafte Weise. Wer sich selbst für nicht liebenswert hält, wählt manchmal Partner, die diese Überzeugung bestätigen. Wer Angst vor Ablehnung hat, gibt zu viel und fordert zu wenig. Wer nicht an den eigenen Wert glaubt, toleriert Behandlungen, die er bei anderen nicht akzeptieren würde. Hilfe bei Beziehungsproblemen Wien berührt daher fast immer auch die Selbstwertthematik.

 

Die existenzanalytische Perspektive auf Selbstwert

Die Existenzanalyse nach Alfried Längle betrachtet Selbstwert durch die Linse der dritten Grundmotivation: „Darf ich so sein, wie ich bin?“ Diese Frage berührt das Recht auf Selbstsein – das Recht, mit den eigenen Stärken und Schwächen, mit der eigenen Geschichte und den eigenen Grenzen gesehen und angenommen zu werden.

Niedriger Selbstwert entsteht in dieser Perspektive dort, wo diese innere Erlaubnis fehlt. Wo jemand gelernt hat, dass er so, wie er ist, nicht in Ordnung ist. Dass er sich verändern, anpassen oder verbessern muss, um Zuneigung zu verdienen. Die therapeutische Arbeit zielt darauf ab, diese Erlaubnis von innen heraus zu entwickeln – nicht als Ergebnis von Lob oder Bestätigung von außen, sondern als innere Haltung sich selbst gegenüber.

Selbstwert und Selbstannahme

Viktor Frankl unterschied zwischen dem Wert eines Menschen und seiner Würde. Die Würde des Menschen ist unbedingt – sie hängt nicht von Leistung, Aussehen oder Charakter ab. Sie ist dem Menschen als solchem eigen. Diese Perspektive ist in der Logotherapie Wien grundlegend: Jeder Mensch hat einen unveräußerlichen Wert, der nicht verdient werden muss. Diese Überzeugung ist kein frommer Wunsch – sie ist die Grundlage, auf der echte Selbstannahme wachsen kann.

 

Was in der Therapie bei niedrigem Selbstwert hilft

Selbstwert lässt sich nicht durch Affirmationen oder positive Selbstgespräche allein verändern. Wer jahrzehntelang ein bestimmtes Selbstbild aufgebaut hat, verändert es nicht durch Überzeugung, sondern durch Erfahrung – durch neue, korrektive Erlebnisse, die das alte Bild langsam widerlegen.

Das innere Kritikermuster erkennen

Ein erster wichtiger Schritt in der Psychotherapie Wien ist das Bewusstmachen des inneren Kritikers: Wann meldet er sich? Was sagt er? Klingt er nach jemandem aus der eigenen Geschichte? Dieser innere Kritiker ist meist kein eigener Gedanke, sondern eine internalisierte Stimme – von Eltern, Lehrern oder anderen prägenden Personen. Ihn als das zu erkennen, was er ist – eine übernommene, nicht notwendigerweise wahre Perspektive – ist der erste Schritt zu mehr innerem Spielraum.

Selbstmitgefühl als Gegenmittel

Selbstmitgefühl ist das wirksame Gegenstück zur Selbstkritik. Es bedeutet, sich selbst gegenüber so zu verhalten wie einem guten Freund gegenüber – mit Verständnis, Freundlichkeit und ohne überharte Urteile. Forschungen zeigen, dass Selbstmitgefühl psychische Widerstandskraft stärkt, Depressionen reduziert und paradoxerweise die Motivation erhöht, sich zu verbessern – weit wirksamer als Selbstkritik. In der psychologischen Beratung Wien ist die Entwicklung von Selbstmitgefühl ein zentrales therapeutisches Ziel.

Neue Beziehungserfahrungen machen

Da Selbstwert in Beziehungen entstanden ist, verändert er sich auch in Beziehungen. Die therapeutische Beziehung selbst ist dabei ein heilsames Instrument: In einem Raum, in dem man mit seinen Schwächen, Zweifeln und Widersprüchen gesehen und angenommen wird, macht das Nervensystem eine Erfahrung, die es korrigiert. Die Erfahrung: Ich bin es wert, dass jemand zuhört. Ich muss mich nicht verstellen. Ich bin auch so in Ordnung.

Die innere Erlaubnis entwickeln

In der existenzanalytischen Psychotherapie wird systematisch daran gearbeitet, die innere Erlaubnis zum Selbstsein zu stärken. Das bedeutet konkret: die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und ernst nehmen. Grenzen setzen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Fehler machen und dabei ein Mensch bleiben, der Würde verdient. Diese Fähigkeiten sind erlernbar – auch wenn sie sich zunächst fremd und unbehaglich anfühlen.

 

Selbstwert ist keine Frage des Verdienens

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis auf dem Weg zu einem gesunden Selbstwert ist diese: Selbstwert muss nicht verdient werden. Er ist keine Belohnung für gute Leistungen, kein Ergebnis von ausreichend Anstrengung oder genug Anpassung. Er ist das Recht jedes Menschen – unabhängig davon, was er leistet, wie er aussieht oder was andere über ihn denken.

Diese Überzeugung intellektuell zu verstehen ist einfach. Sie wirklich zu fühlen und zu leben ist der eigentliche therapeutische Weg – und er lohnt sich. Denn ein stabilerer Selbstwert verändert nicht nur das Innenleben, sondern die gesamte Art, wie man in Beziehungen, im Beruf und im Alltag steht.

Wer diesen Weg gehen möchte, findet in der Praxis für Existenzanalyse und Logotherapie in der Kalvarienberggasse 57/18 in Wien Hernals einen erfahrenen Begleiter. Bernd Thell arbeitet mit Menschen, die sich ihr Leben lang für nicht gut genug gehalten haben – und die bereit sind, diese Überzeugung ernsthaft zu hinterfragen. Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich, in der Praxis oder per Video.


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