Ein Kind zu bekommen, gilt gesellschaftlich als eines der schönsten Ereignisse im Leben. Umso schwerer fällt es vielen Eltern, offen darüber zu sprechen, wenn sich zwischen den Erwartungen an das Elternsein und der tatsächlichen Erfahrung eine tiefe Kluft auftut. Übermüdung, Überforderung, das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen, oder eine Partnerschaft, die unter der neuen Belastung leidet – all das gehört zur Realität vieler Familien, wird aber selten offen thematisiert.
Krisen in der Elternschaft entstehen selten aus mangelnder Liebe zum Kind. Sie entstehen meist aus einer Kombination von Erschöpfung, veränderten Rollenbildern und dem Gefühl, den eigenen Bedürfnissen kaum noch Raum geben zu können.
Wie sich elterliche Krisen zeigen
Elternschaft verändert nahezu jeden Lebensbereich: den Schlaf, die Partnerschaft, die berufliche Situation, die eigene Identität. Diese Veränderung geschieht oft schneller und tiefgreifender, als es sich Paare vor der Geburt vorstellen können. Während das Umfeld häufig nur die glücklichen Momente sieht, bleibt die andere Seite – Zweifel, Erschöpfung, gelegentliche Überforderung – meist unausgesprochen.
Besonders in den ersten Lebensjahren des Kindes, aber auch später in herausfordernden Entwicklungsphasen wie der Pubertät, geraten viele Eltern an ihre Grenzen. Diese Grenzerfahrungen sind keine Ausnahme, sondern ein weitverbreiteter Teil des Elternalltags.
Häufige Anzeichen einer Krise in der Elternschaft sind:
- anhaltende Erschöpfung, die sich auch durch Schlaf kaum verbessert
- wachsende Spannungen in der Partnerschaft rund um Erziehungsfragen oder Aufgabenteilung
- ein Gefühl von Fremdheit gegenüber der eigenen neuen Rolle
- Schuldgefühle, wenn eigene Bedürfnisse den Vorrang vor jenen des Kindes bekommen
Der Druck gesellschaftlicher Erwartungen
Ein wesentlicher Faktor, der elterliche Krisen verschärft, ist der hohe gesellschaftliche Anspruch an „gutes“ Elternsein. Soziale Medien und der Vergleich mit anderen Familien verstärken oft den Eindruck, dass andere mühelos bewältigen, was sich für einen selbst wie eine tägliche Zerreißprobe anfühlt. Dieser Vergleich führt selten zu mehr Gelassenheit, sondern eher zu zusätzlichem Druck und dem Gefühl, den eigenen Erwartungen nicht zu entsprechen.
Auch die Vorstellung, als Elternteil ständig ausgeglichen und geduldig sein zu müssen, entspricht selten der Realität. Wut, Ungeduld oder der Wunsch nach Distanz zum eigenen Kind gehören zum normalen Spektrum elterlicher Gefühle, werden aber oft als Versagen empfunden.
Wenn die Partnerschaft unter der Elternschaft leidet
Ein häufig unterschätzter Aspekt elterlicher Krisen betrifft die Paarbeziehung. Mit der Geburt eines Kindes verschieben sich Prioritäten oft stark in Richtung des Nachwuchses, während die Zeit und Energie für die Partnerschaft zurückgehen. Unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, ungleiche Aufgabenverteilung im Alltag oder das Gefühl, als Paar kaum noch echte Zweisamkeit zu erleben, können über die Jahre zu erheblichen Beziehungsproblemen führen.
Bleiben diese Spannungen ungeklärt, wirkt sich das nicht nur auf die Partnerschaft aus, sondern häufig auch auf die familiäre Atmosphäre insgesamt, in der Kinder Konflikte und Spannungen sehr genau wahrnehmen, auch wenn sie nicht offen ausgesprochen werden.
Existenzanalytische Betrachtung der Elternrolle
Aus Sicht der Existenzanalyse stellt Elternschaft eine tiefgreifende existenzielle Herausforderung dar, weil sie den Menschen mit grundlegenden Fragen konfrontiert: Wie viel eigene Freiheit bin ich bereit aufzugeben? Wie gestalte ich Verantwortung, ohne mich selbst dabei zu verlieren? Diese Fragen lassen sich nicht ein für alle Mal beantworten, sondern begleiten Eltern in unterschiedlicher Form über viele Jahre.
Ein zentraler Gedanke dabei ist, dass eine gute Beziehung zum eigenen Kind nicht bedeutet, die eigenen Bedürfnisse vollständig zurückzustellen. Eltern, die sich selbst kontinuierlich vernachlässigen, geraten häufiger in Erschöpfungszustände, was langfristig auch der Beziehung zum Kind nicht zugutekommt.
Wege durch die elterliche Krise
Der erste Schritt aus einer Krise in der Elternschaft besteht oft darin, die eigene Erschöpfung oder Überforderung überhaupt anzuerkennen, statt sie als persönliches Versagen zu werten. Viele Eltern empfinden bereits eine deutliche Entlastung, wenn sie merken, dass ihre Erfahrungen nicht ungewöhnlich sind, sondern von vielen anderen Familien geteilt werden.
Praktische Ansätze, die helfen können, sind:
- feste, wenn auch kurze Auszeiten ohne Kind fest im Alltag einplanen
- offene Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin über Aufgabenteilung und gegenseitige Unterstützung
- den Austausch mit anderen Eltern suchen, um sich weniger allein mit den eigenen Schwierigkeiten zu fühlen
- realistischere Ansprüche an sich selbst entwickeln, statt einem idealisierten Bild von Elternschaft zu folgen
Wann Unterstützung von außen sinnvoll wird
Manche Krisen in der Elternschaft lassen sich mit kleinen Veränderungen im Alltag gut abfedern. Bei anderen reicht das jedoch nicht aus, insbesondere wenn Erschöpfung, Konflikte oder Schuldgefühle über Monate bestehen bleiben. In solchen Situationen kann eine Paartherapie helfen, gemeinsam mit dem Partner wieder tragfähige Absprachen zu finden.
Manchmal steckt hinter anhaltender Erschöpfung auch mehr als „normale“ elterliche Belastung – etwa eine beginnende Depression oder ein Burn-out, der sich nicht auf den Beruf, sondern auf die elterliche Rolle bezieht. Ein erfahrener Psychotherapeut in Wien kann in solchen Fällen dabei unterstützen, zwischen vorübergehender Überlastung und einer ernsteren psychischen Belastung zu unterscheiden, und gemeinsam neue Wege entwickeln, damit Elternschaft wieder mehr Freude als Erschöpfung bringt.