Selbstwirksamkeit stärken

Manche Menschen gehen selbst schwierige Aufgaben mit einer gewissen Zuversicht an, während andere schon bei kleinen Herausforderungen das Gefühl haben, ohnehin zu scheitern. Dieser Unterschied liegt selten allein an den tatsächlichen Fähigkeiten. Häufig entscheidet vielmehr die innere Überzeugung, ob man in der Lage ist, eine Situation aktiv zu beeinflussen. Genau diese Überzeugung wird als Selbstwirksamkeit bezeichnet – und sie lässt sich gezielt stärken.

Wer ein ausgeprägtes Gefühl der Selbstwirksamkeit besitzt, geht Herausforderungen anders an: mutiger, ausdauernder und mit mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Fehlt dieses Gefühl, entsteht schnell der Eindruck, den eigenen Umständen hilflos ausgeliefert zu sein, selbst wenn objektiv durchaus Handlungsspielraum bestehen würde.

Was Selbstwirksamkeit eigentlich bedeutet

Selbstwirksamkeit beschreibt die persönliche Überzeugung, mit den eigenen Fähigkeiten und Handlungen etwas bewirken zu können. Es geht dabei nicht um objektive Kompetenz, sondern um das subjektive Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit. Zwei Menschen mit ähnlichen Fähigkeiten können völlig unterschiedlich mit derselben Herausforderung umgehen, je nachdem, wie stark ihr Vertrauen in die eigene Wirksamkeit ausgeprägt ist.

Dieses Vertrauen entwickelt sich vor allem durch eigene Erfahrungen. Wer wiederholt erlebt hat, dass eigenes Handeln zu einem gewünschten Ergebnis führt, entwickelt mit der Zeit ein stabiles Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wer hingegen häufig die Erfahrung gemacht hat, dass eigene Bemühungen wirkungslos blieben, neigt eher dazu, sich selbst als machtlos zu erleben.

Typische Anzeichen für eine geringe Selbstwirksamkeit sind:

  • das Gefühl, Herausforderungen von vornherein nicht bewältigen zu können
  • schnelles Aufgeben bei ersten Schwierigkeiten oder Rückschlägen
  • die Tendenz, Erfolge dem Zufall und Misserfolge der eigenen Person zuzuschreiben
  • ein starkes Vermeidungsverhalten gegenüber neuen oder unsicheren Situationen

Woher ein geringes Selbstwirksamkeitsgefühl oft stammt

Die Wurzeln eines geringen Selbstwirksamkeitsgefühls liegen häufig in früheren Lebensphasen. Wer als Kind wenig Gelegenheit hatte, eigene Entscheidungen zu treffen und deren Folgen zu erleben, entwickelt später oft weniger Vertrauen in die eigene Wirksamkeit. Auch wiederholte Erfahrungen von Kontrollverlust im Erwachsenenalter, etwa durch schwierige Lebensumstände oder belastende Beziehungen, können dieses Grundgefühl nachhaltig schwächen.

Nicht selten geht ein geringes Selbstwirksamkeitsgefühl auch mit einer Angststörung einher, da die Erwartung, ohnehin nichts bewirken zu können, die Angst vor neuen Herausforderungen zusätzlich verstärkt.

Existenzanalytische Aspekte der Selbstwirksamkeit

Aus Sicht der Existenzanalyse ist das Erleben von Selbstwirksamkeit eng mit dem Gefühl verbunden, das eigene Leben als sinnvoll und selbst gestaltet zu erfahren. Wenn ein Mensch wiederholt erlebt, keinen Einfluss auf sein Leben zu haben, wird es schwieriger, sich als handelndes Subjekt des eigenen Lebens zu erleben – man fühlt sich eher als Objekt äußerer Umstände.

Diese Perspektive macht deutlich, warum Selbstwirksamkeit weit über einzelne Erfolgserlebnisse hinausgeht. Es geht um eine grundlegende Haltung zum eigenen Leben: die Überzeugung, aktiv gestalten zu können, statt nur zu reagieren.

Der Unterschied zwischen großen und kleinen Erfolgen

Ein verbreiteter Irrtum besteht darin, dass Selbstwirksamkeit vor allem durch große Erfolge entsteht. Tatsächlich sind es meist die kleinen, wiederholten Erfahrungen im Alltag, die dieses Gefühl langfristig stärken. Wer regelmäßig erlebt, dass kleine Vorhaben gelingen, baut über die Zeit ein stabileres Fundament auf als jemand, der nur auf seltene, große Erfolge wartet.

Wege zu mehr Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit lässt sich gezielt aufbauen, auch wenn dieser Prozess Zeit braucht. Entscheidend ist, bewusst Situationen zu schaffen, in denen eigenes Handeln zu spürbaren Ergebnissen führt.

Hilfreiche Ansätze im Alltag sind:

  • kleine, realistische Ziele setzen, die tatsächlich erreichbar sind
  • eigene Erfolge bewusst wahrnehmen und nicht sofort dem Zufall zuschreiben
  • Herausforderungen in kleinere, überschaubare Schritte unterteilen
  • sich bewusst an frühere Situationen erinnern, in denen man selbst etwas erfolgreich bewirkt hat

Diese kleinen Erfolgserlebnisse wirken wie Bausteine: Jeder einzelne mag klein erscheinen, doch in ihrer Summe verändern sie das grundlegende Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.

Die Rolle des sozialen Umfelds

Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau von Selbstwirksamkeit. Menschen, die ermutigende Rückmeldungen erhalten und deren Bemühungen wahrgenommen werden, entwickeln in der Regel ein stabileres Selbstwirksamkeitsgefühl als Menschen, deren Anstrengungen häufig übersehen oder entwertet werden. Wer selbst wenig ermutigendes Feedback erhält, kann bewusst versuchen, sich mit Menschen zu umgeben, die eigene Bemühungen anerkennen, statt sie ständig zu relativieren.

Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist

Wenn ein geringes Selbstwirksamkeitsgefühl den Alltag stark beeinträchtigt, etwa durch anhaltende Vermeidung, starke Selbstzweifel oder ein tiefes Gefühl von Hilflosigkeit, kann professionelle Begleitung hilfreich sein. Ein erfahrener Psychotherapeut in Wien kann dabei unterstützen, alte Muster zu erkennen und neue Erfahrungen von Wirksamkeit gezielt aufzubauen.

Besonders wenn ein geringes Selbstwirksamkeitsgefühl mit einer Angststörung oder einer tiefergehenden Lebenskrise verbunden ist, kann Hilfe in Wien dabei helfen, wieder Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu gewinnen. Selbstwirksamkeit zu stärken bedeutet dabei nicht, jede Herausforderung mühelos zu bewältigen, sondern die innere Gewissheit zu entwickeln, den eigenen Weg – auch mit Rückschlägen – aktiv gestalten zu können.

BACK TO TOP
ANRUFEN